Zum Hauptinhalt springen

Es herrscht Krieg um die Informationen

Von Veronika Gasser, Leogang

Wirtschaft

Jenes Unternehmen, das Informationen als erstes verwerten kann, hat technologisch und finanziell einen großen Vorsprung. Doch auch die Konkurrenz setzt alles daran, an die notwendigen Unterlagen zu gelangen. Sogar das Reinigungspersonal werde gezielt zur Informationsbeschaffung ausgebildet, berichteten am Donnerstag Experten im Rahmen der Österreichischen Sicherheitstage in Leogang.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 19 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Die Wirtschaftsspionage ist mittlerweile für nationale Geheimdienste wie auch für blutige Laien ein breites Betätigungsfeld geworden, erklärten Hannes Dopler, Sicherheitsmanager von T-Mobile, und Maximilian Burger-Scheidlin, Kriminalexperte der Internationalen Handelskammer.

In den USA, erzählt Dopler, gibt es die Nigerianische Putzakademie, dort werde Reinigungspersonal von der Mafia für Spionagezwecke eingeschult und später in die Betriebe eingeschleust. "Wer weiß, ob die Putzfrau nicht in Wirklichkeit eine Frau Diplomingenieur ist?" fragt Burger-Scheidlin und weist darauf hin, dass auch in Österreich die ausgelagerten Reinigungsdienste, die aus Kostengründen beauftragt wurden, vermehrt zum Spionageproblem werden. Diese Gefahren kennt auch Wolfgang Bachler, bis vor kurzem Chef der Spezialeinheit Cobra und mittlerweile selbständiger Sicherheitsberater: Portiere und Sicherheitsdienste sollten ins Unternehmen integriert sein. Er warnt die Unternehmen generell davor, am falschen Fleck zu sparen und Aufgaben an Externe auszulagern. "Zugekauftes Personal oder Leiharbeiter erhöhen das Risiko, ausspioniert zu werden. Auch steigt die Gefahr, wenn zuwenig bezahlt wird." Der mögliche Schaden sei weit höher als der kurzfristige Erfolg in der Bilanz.

Für Burger-Scheidlin ist Mitarbeitermotivation nicht nur ein Garant für wirtschaftlichen Erfolg, sondern auch eine präventive Maßnahme gegen Spionage aus den eigenen Reihen. Er lobt die Firma Goretex, die mit ihren Mitarbeitern nach dem Prinzip eines dominikanischen Paters verfährt: Jeder darf sich seinen Arbeitsplatz im Unternehmen selbst suchen. Die Bindung ans Unternehmen sei dadurch enorm.

Gegen Spionage von außen ist man dadurch noch nicht gefeit. Dopler erzählt den Fall des deutschen Windkraftanlagenkonstrukteurs Enercon. Dessen Frequenzrichter war eine technische Innovation. Die amerikanische Konkurrenz bekam Wind davon und hörte die Telefonanlagen ab. Nach einem Betriebsbesuch, bei dem fotografiert wurde, konnten sämtliche Patente in den USA kopiert und dort patentiert werden. Obendrein wurde Enercon der Zutritt zum US-Markt verwehrt. Ein langwieriger Prozess kostete 2 Mio. Euro. Der tatsächliche Schaden war für Enercon weit größer, da der Wettbewerbsvorteil mit einem Schlag beim Teufel war.

Auch Erpresserringe haben großes Interesse, an interne Daten zu gelangen. Junge Frauen, die als Prostituierte oder im Escort-Service arbeiten, werden zu diesem Zweck auf Geschäftsführer angesetzt, so Burger-Scheidlin. Durch das Verhältnis, vielleicht noch in Kombination mit einem kleinen illegalen Hilfsdienst, werde jeder erpressbar. So konnte etwa eine russische Mafiabande - dank der 19-jährigen Jenny - 21 gut situierte Männer ausnehmen.

Die Experten raten jedoch, in jedem Fall von Spionage die Polizei zu kontaktieren, gegebenenfalls sogar die Öffentlichkeit zu informieren, denn ein Vertuschen der Affäre würde den Tätern nur noch mehr in die Hände spielen.