)
Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 23 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.
Woran erkennt man, dass es wieder Sommer ist? Die Antworten, die man auf eine so harmlose Frage erhält, variieren je nach Gesprächspartner, die sich in verschiedensten Kategorien von hochwissenschaftlich Argumentierenden bis hin zu modebewussten Charmeuren unterteilen lassen. Die wirklich am Boden der Realität Stehenden, jene, die das Leben so nehmen, wie es ist, und sogar Deutschland als Fußball-Weltmeister ertragen würden (glauben Sie mir, geschätzte/r LeserIn, es fiel mir schwer, diese folgenschweren Zeilen leichtfertig zu schreiben), also solche Menschen, die Wetterberichte prinzipiell nicht mehr zur Kenntnis nehmen, haben die plausibelste Antwort: am Fernsehprogramm natürlich.
Unser Leben wird schon seit einigen Jahrzehnten durch das Fernsehen minutiös geregelt. Der Silvesterstadl kündigt den Anbruch eines neuen Jahres an, "Licht ins Dunkel" teilt auch den Vergesslichen mit, dass der Heilige Abend da ist, und wenn im Werbefernsehen die Hasen durch die grüne Wiese hüpfen, ist Ostern nicht mehr weit. Und wenn es Sommer ist, teilt dies das Fernsehen ebenfalls unaufdringlich mit. Denn dann nehmen die Wiederholungen der Wiederholungen unverhältnismäßig zu und der sehenswerteste Film - etwa am Mittwoch - ist ein Vittorio-De-Sica-Streifen aus den 50-er Jahren, der noch dazu vom Bayerischen Rundfunk spätabends ausgestrahlt wird. Im TV-Sommer versäumt der Zuseher garantiert nichts. Wie heißt es im Bauernkalender: Wenn im Sommer das Wetter macht, was es will, das Fernsehen hält sich dran still.
)
)
)