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Es ist, was es ist, sagt der Mist

Von Christina Böck

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Womöglich muss man es einfach als Tatsache hinnehmen: Der Wiener hat eine besondere Beziehung zu seinem Müll. In wenigen anderen Städten wird man eine feierliche Veranstaltung finden, die dem Abfall huldigt. In Wien gibt es so etwas, es heißt prägnant "Mistfest". Hernach ziehen Kinder mindestens mit orangen Luftballonen als lebende Müllabfuhr-Werbeträger durch die Stadt. So ist es keine große Überraschung, dass es eine rege Beteiligung gab, als nun die MA 48 das müllaffine Volk um Hilfe bat: Neue Werbeslogans für die Mistkübel der Stadt sollen gefunden werden. Simple Sprüche, und die auch nur aufgeklebt - das geht enttäuschend wenig weit. Da hat man sich doch heuer schon mehr getraut! Wer erinnert sich nicht gerne, als aus dem Kanal Song-Contest-Lieder schallten? Außer den Makemakes, für die das als Omen für ihr desaströses Abschneiden gelten konnte.

Nun kann man also abstimmen, welche zehn Sprüche es auf Mistkübel schaffen sollen. Da sind auch dadaistische Kleinkunstwerke dabei, wie "Feng Pfui". Bei anderen wiederum hätte ein bisschen Recherche gut getan, bevor man die Sprüche-Longlist zusammengestellt hat. Etwa beim Kandidaten "Eine von 18.000 Filialen". Die Kübelslogans gibt es nämlich nicht nur in Wien, sondern auch in Berlin. Und schon dort lud einer davon vor einiger Zeit in "Eine von 20.356 Filialen".

Berlin hat übrigens fast doppelt so viele Einwohner wie Wien und nur 2000 Mistkübel mehr. Kein Wunder, wenn der Wiener eine besondere Beziehung zu seinem Abfall hat. Es hat ja quasi jeder seinen persönlichen Mistkübel.

Mistfest 2015
Online-Voting zu Werbeslogans auf Mistkübel