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"Es soll vieles nie wieder passieren"

Von Ina Weber

Politik

Fortsetzung des Versöhnungsfonds für ehemalige NS-Opfer. | 80 Projekte positiv bewertet, 1,5 Millionen Euro bereits ausgezahlt. | Wien. Der "Zukunftsfonds der Republik Österreich" hat seine Arbeit 2006 aufgenommen und zog am Freitag in einer Pressekonferenz seine erste Bilanz: 148 Anträge wurden bisher eingereicht, davon 120 Anträge abgeschlossen und 80 Projekte positiv bewertet.


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"Insgesamt sind für das Jahr 2006 rund 2,5 Millionen Euro genehmigt worden", sagte Richard Wotava, Generalsekretär des Zukunftsfonds zur "Wiener Zeitung". Ein Großteil davon werde allerdings erst 2009 fällig, da es sich teilweise um Langzeitprojekte handelt. Tatsächlich überwiesen wurden bisher 1,5 Millionen Euro. Die Fördersummen sind höchst unterschiedlich. Sie können bei kleinen Projekten 2000 Euro betragen, bei mehrjährigen Großprojekten aber bis zu 300.000 Euro.

Das Augenmerk bei den Projekten habe man auf die Nachhaltigkeit und die Jugend gelegt, so die Vorsitzende des Fonds, Waltraud Klasnic. "Die spätere Generation kann sich das gar nicht mehr vorstellen." Das Projekt, das ihr am meisten am Herzen liege, sei der Jüdische Friedhof in Währing. "Ich gestehe, dass ich vor meiner Aufgabe als Fonds-Vorsitzende vieles nicht gewusst habe. Hier handelt es sich um unbeschreibliche Schicksale", sagte Klasnic. "Es soll vieles nie wieder passieren". Der jüdische Friedhof wird wissenschaftlich aufbereitet und über zwei Jahre mit je 25.000 Euro unterstützt. In weiteren Projekten geht es um die Erforschung des Schicksals ehemaliger Zwangsarbeiter nach ihrer Rückkehr in die Sowjetunion: Die Heimkehrer wurden dort als Hochverräter behandelt und in stalinistische Arbeitslager, den sogenannten Gulags, verschickt.

Der Zukunftsfonds wurde als Nachfolgeorganisation des Versöhnungsfonds gegründet, der im Jahr 2005 seine Arbeit abgeschlossen hat. Der Versöhnungsfonds war für die Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter zweckgewidmet. 2004 hat er auch mit der Durchführung humanitärer Projekte aus den verbleibenden Restmitteln in den sechs mittel- und osteuropäischen Ländern der Partnerorganisationen begonnen. "90 Prozent der Projekte wurden bereits abgerechnet, aber zehn Prozent harren noch immer einer Überprüfung", sagte Wotava. Diese Restagenden seien zusätzlich noch zu bearbeiten.

Die Verwaltungskosten des Fonds belaufen sich für das Jahr 2006 auf 450.000 Euro. "Zwei Mitarbeiter haben sich ausschließlich um die Agenden des Versöhnungsfonds gekümmert", so Wotava. Laut Generalsekretär waren zusätzlich ein Büro in der Wiener Innenstadt und viereinhalb Mitarbeiter zu bezahlen, die Kuratoriumsmitglieder arbeiten ehrenamtlich. Heuer sollen diese Ausgaben sinken, kündigte er an: Das Büro werde nun vom Außenministerium gratis zur Verfügung gestellt, die Mitarbeiterzahl sei reduziert worden und der Arbeitsaufwand für die Restabwicklung der NS-Entschädigung gehe zurück.

Dem Fonds gehören etwa Ex-Museumsdirektor Manfried Rauchensteiner, Historiker Gerald Stourzh, Max Kothbauer von der Uni Wien, Direktor Moshe Jahoda und Ex-Stadtschulratspräsident Kurt Scholz an.

Stichwort: Der Zukunftsfonds der Republik

Der "Zukunftsfonds der Republik Österreich" wurde 2005 per Bundesgesetz gegründet. Er hat den Zweck, Projekte zum Gedenken an die Opfer des NS-Regimes, zur Erforschung des Unrechts während der Nazi-Zeit sowie für Toleranz und Nicht-Diskriminierung zu fördern.

Der mit 20 Millionen Euro dotierte Fonds ist als verzehrender Fonds für die Dauer von etwa zehn Jahren angelegt. Er kann jährlich Projekte im Ausmaß von bis zu zwei Millionen Euro unterstützen. Finanziert wurde der Zukunftsfonds aus Restmitteln des ehemaligen Versöhnungsfonds zur Entschädigung von Zwangsarbeitern.