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"Es war vor allem ihr eigenes Verdienst"

Von Barbara Ottawa

Politik

Kanadas Experiment zur Integration der indigenen Bevölkerung geht weiter. Trotz einiger Rückschläge, scheinen ein paar "First Nations" mit den erreichten Verträgen zufrieden zu sein. Peter Baird, Verhandler und Berater in Kanada, sprach mit der "Wiener Zeitung" über Kanadas Indigenenpolitik.


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Im Sommer wurde ein Vertrag abgeschlossen, der als "Meilenstein" gilt. Die Tli Cho, auch unter dem Namen Dogrib bekannt, im Nordwesten Kanadas erhalten - wie die "Wiener Zeitung" berichtete - die Kontrolle über ein großes Gebiet.

"Es war vor allem das Verdienst der Dogrib selbst, dass dieser Vertrag zustande gekommen ist", so Baird. Zwölf Jahre lang wurde das Papier vorbereitet. "Besonders wichtig ist, dass die Dogrib in ihrem Vertrag auch Nachbar-Nationen berücksichtigt haben."

Auf dem Land der Tli Cho, das fast so groß ist wie die Schweiz, befinden sich auch zwei Diamantminen. "Es gab eigentlich kaum Widerstand gegen diesen Vertrag. Die Dogrib haben in den letzten Jahren Wirtschaftsbetriebe und Infrastrukturen aufgebaut. Jeder traut ihnen zu, dass sie das Land verwalten können", sagt Baird.

Obwohl die Opposition gegen den Vertrag wirklich gering scheint, auch indigene Medien berichten wenig darüber, fühlt sich doch die Metis Bevölkerung, also die Nachkommen aus gemischt ethnischen Beziehungen, des Nordwest-Territoriums durch das Abkommen übergangen.

Spagat Tradition-Zukunft

Für Baird haben die Tli Cho den Spagat zwischen Tradition und Zukunft gut gemeistert. Eine Abstimmung ergab, dass über 80 Prozent der Tli Cho für die Unterzeichnung des Vertrages waren, der ihnen auch ein gewisses Maß an Selbstverwaltung garantiert. Für die Tli Cho scheinen die Verhandlungen mit der Regierung also ein positives Ergebnis gebracht zu haben.

Doch die indigenen Nationen Kanadas sind keine homogene Gruppe und ihre Ansichten und Probleme sind sehr unterschiedlich. Viele Nationen etwa, haben kaum Ressourcen auf ihrem Land und haben somit keine so gute Verhandlungsbasis. Andere fürchten zurecht um ihre Identität, wenn sich Wirtschaftsbetriebe auf ihrem Territorium niederlassen. Viele haben aber nicht die finanziellen Mittel, um selbst eine Infrastruktur zu entwickeln.

"Es sollte respektiert werden, wenn Indigene nicht in den Vertragsprozess mit der Regierung einsteigen wollen", betont Baird. Der Prozess sei allerdings dynamisch und vielleicht stelle er irgendwann für mehr Indigene eine Möglichkeit dar, sich mit der Regierung zu arrangieren. "Der kanadische Ansatz zur Lösung der Landfrage ist nicht perfekt aber wir sind auf dem richtigen Weg", ist Baird überzeugt.