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Es zieht die dunkle iCloud auf

Von Bernhard Baumgartner

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Es herrscht Trauerstimmung im Apfelland! Wie eine Herde, deren Schäfer ein ungerechter Hirte war, trottet die Meute missmutig durch den Tag. Den Grund für den kollektiven Grant verstehen wohl nur Auskenner. Apple hat entgegen den Erwartungen kein iPhone "5" präsentiert sondern nur ein iPhone "4S". Das ist zwar auch voll neuer Technologie, aber das Design ist gleich geblieben.

Das ist natürlich hart für die bis zur Selbstaufgabe treue Fangemeinde. Zwar ist die Sonne im Apfelland noch nicht ganz vom Himmel gefallen, aber es ist doch eine dunkle iCloud aufgezogen. Denn: Warum soll man sich ein neues iPhone kaufen, wenn nicht jeder auf den ersten Blick sehen kann, dass man das neue Teil sein schickes Eigen nennt? Das ist sozusagen ein direkter Durchgriff der Entwickler aus Cupertino auf das Selbstbewusstsein ihrer Klientel. Egal, welche neuen Features es auch hat, egal, dass die Kamera über so viele Megapixel wie kürzlich noch eine Profi-Kamera verfügt. Sprachsteuerung!? Schnellerer Chip!? Uninteressant! Es geht den Usern letztlich nur um die äußere Anmutung - womit das iPhone exzellent zur heutigen Zeit passt.

Dass sogar der Aktienkurs in die Tiefe rasselt, bloß weil ein "4S" statt eines "5" präsentiert wurde, sagt eigentlich auch alles über die Hybris der Märkte aus.

Dass Apple heute voll im Mainstream steht, dass das iPhone die mobile Kommunikation und auch (etwa mit 17 Milliarden verkauften Songs) wohl auch die Mediennutzung revolutioniert hat, sei nur am Rande erwähnt. Aber die Herde ist verwöhnt, der neue Hirte noch auf Probe. Er wird zum "5"er-Schmäh greifen müssen.