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EU: Mehr als 16 Millionen Niedriglohnempfänger

Von Erika Bettstein

Wirtschaft

In der Europäischen Union sind 15% aller Arbeitnehmer Niedriglohnempfänger. Nach einer vom EU-Statistikamt Eurostat in Brüssel veröffentlichten Studie sind dies insgesamt 16,5 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter.


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Deutschland liegt mit einem Anteil von 17% über dem Durchschnitt, ebenso Griechenland (17%), Irland (18%) und Großbritannien (21%). Am wenigsten Niedriglohnempfänger gibt es in Portugal mit 6% und Dänemark mit 7%.

TeilzeitarbeiterInnen, Jugendliche und minderqualifizierte Beschäftigte betroffen

Auffällig ist der Frauenanteil von 77%. Nach den Angaben ist dieser Wert im Verhältnis zur Gesamtheit der weiblichen Lohn- und Gehaltsempfänger in der EU doppelt so hoch. In Deutschland beträgt der Frauenanteil bei den Niedriglohnempfängern sogar 80%. Berücksichtigt werden muss bei diesen Zahlen jedoch, dass auch Teilzeitbeschäftigung miteinbezogen wurde.

Die Wahrscheinlichkeit, einen Niedriglohn zu beziehen, ist laut Eurostat auch bei Jugendlichen und ArbeitnehmerInnen mit niedrigem Bildungsstand höher. In fast jedem zweiten Fall werde der Niedriglohn eines Haushaltsmitglieds durch einen höheres Lohn oder höheres Gehalt eines anderen jedoch "kompensiert", heißt es weiter.

20% der NiedriglohnempfängerInnen sind als "arm" einzustufen

Im EU-Durchschnitt seien 20% der Niedriglohnempfänger als "arm" einzustufen. Die Niedriglohn-Grenze setzten die Statistiker bei 60% des durchschnittlichen Monatslohns fest, wobei eine Wochenarbeitszeit von mindestens 15 Stunden berücksichtigt wurde. Die Analyse bezieht sich auf 13 der 15 EU-Mitgliedsländer, weil für Schweden und Finnland keine Daten vorlagen.

Generell hat das Interesse an Teilzeitarbeit zugenommen, wie aus einer früheren Eurostat-Statistik hervorgeht: In Österreich standen demnach etwa 30% der Frauen und 4% der Männer in Teilzeitbeschäftigung, in Deutschland hatten über ein Drittel der Arbeitnehmerinnen und etwa 5% der Arbeitnehmer eine Teilzeitstelle. Teilzeit-Spitzenreiter waren die Niederlande mit 68% der weiblichen und 18% der männlichen Beschäftigten, gefolgt von Großbritannien (45% Frauen, 9% Männer) und Schweden (41% Frauen, 9% Männer).