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EU über Banker-Boni empört

Von WZ-Korrespondent Wolfgang Tucek

Wirtschaft

Pröll entschieden gegen Prämien für kurzfristige Gewinne. | "Signal" vom G20-Gipfel erhofft. | Brüssel. In der Wirtschaftskrise zeigten sich im August nur erste zarte Anzeichen einer Erholung. Viele Banken fuhren dagegen mit ihren Investmentabteilungen bereits wieder Rekordgewinne ein - entsprechend entwickelten sich auch die Bonuszahlungen an die Wertpapierhändler.


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"Die Banker feiern wie 1999, dabei haben wir schon 2009", umriss der schwedische Finanzminister und amtierende EU-Ministerratsvorsitzende Anders Borg am Mittwoch bei einem Sondertreffen der EU-Finanzminister in Brüssel die Situation. In der Folge des nur mit Milliardenhilfen abgewendeten Finanzkollapses müsse die bisher geläufige Bonus-Kultur ein Ende haben.

Darüber seien sich die Finanzminister bei ihrer Vorbereitungssitzung auf den Gipfel der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer am 24. und 25. September im Pittsburgh auch grundsätzlich einig gewesen, sagte der österreichische Ressortleiter Josef Pröll. Millionenschwere Belohnungen dürfe es künftig nicht für das Eingehen kurzfristiger Risken, sondern nur mehr für "Substanzgewinn und Nachhaltigkeit" geben.

Details völlig unklar

"Es kann nicht sein, dass Manager mit Tagesgewinnen unglaubliche Summen abschöpfen", meinte Pröll. Er stehe voll hinter Frankreich, dessen Präsident Nicolas Sarkozy die Debatte forciert hatte. Ziel sei ein "Signal der G20". Er hoffe, dass dieses Ansinnen auch in Übersee auf fruchtbaren Boden falle, so Pröll. Denn bei einem Alleingang der EU bestehe die Gefahr einer Abwanderung der besten Manager und Banker.

Wie genau die Boni eingedämmt werden sollen, ist freilich noch unklar. Während der österreichische Vizekanzler etwa von mehr Transparenz in den Geschäftsberichten redet, ventiliert Paris auch fixe Obergrenzen für die erfolgsabhängigen Sonderzahlungen. Sie könnten mit einem gewissen Prozentsatz der Gewinne oder der Fixgehälter der Vorstände gedeckelt und darüber hinaus - entsprechend der dauerhaften Erfolge - über drei Jahre aufgeteilt gezahlt werden.

Keine Kompetenzen

Doch sobald es um konkrete Vorschläge geht, sind nicht mehr alle EU-Länder voll auf Kurs: Frankreich, Deutschland und Österreich können sich offenbar recht viel vorstellen. Der britische Premier Gordon Brown verhält sich - wohl mit Blick auf das Finanzzentrum London - etwas vorsichtiger. Nicht jeder bewege sich so schnell wie er könnte, skizzierte der niederländische Finanzminister Wouter Bos die Lage. Darüber hinaus sind schon bisherige EU-Empfehlungen zur Begrenzung der Manager-Boni recht wirkungslos verhallt. Direkte Kompetenzen hat die EU auf diesem Gebiet nämlich nicht.