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EU will Mautsysteme anpassen

Von Franz Steinbauer

Wirtschaft
Bereits in einem Jahr sollen die derzeit noch bestehenden Mautgrenzen der Vergangenheit angehören.
© © www.BilderBox.com

Grenzenlose Maut zwischen Österreich und Deutschland mit September Realität. | Vereinheitlichte Mauteinhebung in ganz Europa ab Mitte 2012 angepeilt.


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Wien. Österreich und Deutschland zeigen vor, wohin in Europa die Reise bei den Mauten geht. Ab 1. September 2011 können Lkw-Fahrer in beiden Länder mit ein und demselben Gerät - im Fachjargon Onboard Unit (OBU) genannt - die jeweiligen Straßenbenützungsabgaben entrichten. Unter Experten gilt dies als wichtiger Zwischenschritt hin zu einem europaweit einheitlichen Bemautungssystem, das ab Mitte 2012 kommen soll.

Noch bis Ende August benötigen Frächter - allein schon für Deutschland und Österreich - zwei verschiedene OBU. Was auch zwei unterschiedliche Kundenbeziehungen zu den Mautbetreibern mitsamt separaten Monatsrechnungen bedeutet. Europaweit agierende Frächter haben noch viel mehr Papierkrieg zu gewärtigen. Ist ein Lkw-Fahrer etwa zwischen Portugal und Dänemark unterwegs, sammeln sich - derzeit noch - gut und gern vier bis fünf Endgeräte hinter der Windschutzscheibe.

Geräte waren schon immer kompatibel

Die deutschen OBU seien rein technisch immer schon mit dem österreichischen Standard kompatibel gewesen, erklärt Verkehrsökonom Sebastian Kummer im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Die Schnittstelle für Österreich werde nun freigeschaltet.

"Wie zahlreiche andere Verwaltungsvereinfachungen bringt auch die Mautvereinheitlichung eine höhere Effizienz", sagt der Verkehrsökonom. Für Frächter werde künftig das Zahlen der Maut einfacher und dadurch indirekt - weil im Endausbau nur noch eine einzige Rechnung für Mautfahrten quer durch Europa bezahlt werden muss - auch preiswerter. "Natürlich könnten Kritiker nun sagen, der Lkw-Verkehr soll letztlich - statt billiger - teurer werden. Aber dann müssen eben die Mautsätze erhöht werden."

Bei den nun für die österreichischen Straßenbenützungsgebühren aktivierten deutschen OBU gibt es klarerweise keine nationalen Einschränkungen. "Die deutschen Endgeräte können von allen Frächtern verwendet werden - nicht nur von deutschen, sondern beispielsweise auch von kroatischen", betont Asfinag-Sprecherin Ingrid Partl. Der neue grenzüberschreitende Mautdienst läuft unter dem Namen "Toll2Go" und verknüpft ein satellitenbasiertes (Deutschland) mit einem mikrowellenbasierten System (Österreich).

Welches der beiden Länder wird von der Kooperation stärker finanziell profitieren? Die Vorteile lägen tendenziell bei Österreich, argumentiert Kummer. Denn die bisher von der Asfinag, die im Staatseigentum steht, für die heimischen Go-Boxen eingehobenen fünf Euro pro Stück seien nicht kostendeckend gewesen. Durch das Freischalten der deutschen OBU falle nun ein Teil dieses Defizits im Ausland an.

"Vor allem die Gelegenheitskunden aus Deutschland, die nur ein bis zwei Mal pro Jahr nach Österreich hereingefahren sind, waren für die Asfinag teuer", so Kummer.