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Was würden Sie einem Vereinsmitglied ausrichten, das a) die üblichen Beiträge nicht zahlen will, b) alle wichtigen Entscheidungen blockiert und c) noch dazu bei jeder Gelegenheit zu erkennen gibt, dass es dem Verein ohnehin am liebsten den Rücken kehren würde? Sie würden es vermutlich rausschmeißen.
Von der Ausgangslage her verhält sich Großbritannien seit Jahren im Hinblick auf die Europäische Union ganz ähnlich. Jetzt wird sich allerdings weisen, wohin die Reise geht: ob die Briten aussteigen, als Trittbrettfahrer an Bord bleiben oder sich ins Führerhaus setzen. Denn getrieben von der Krise der Eurozone fährt der EU-Zug eindeutig in Richtung ökonomische Integration, was die Briten bisher abgelehnt haben. Im Vorfeld des EU-Gipfels zeichnete sich erneut ein harter Schlagabtausch ab: Die Briten wollen ihre Zustimmung für Vertragsänderungen als Faustpfand verwenden, um größtmögliche Vorteile für sich herauszuschlagen.
Deutschland hat signalisiert, hart bleiben zu wollen: Es gebe keine neuen vertraglichen Verpflichtungen für Nicht-Eurostaaten - und somit keinen Grund für eine Blockade der Reformen. Das lässt allerdings bei einigen integrationswilligen Nicht-Euroländern wie Polen die Alarmglocken schrillen: Sie drohen gemeinsam mit den Briten aus dem "inneren Kern" Europas ausgeschlossen zu werden. Schlimmstenfalls droht sogar ein Europa der drei Geschwindigkeiten: Euroländer, Eurowillige und Euroverweigerer.
Katastrophale Finanz-Daten
Großbritannien ist in dieser komplizierten Gemengelage ein Sonderfall: Die Briten nehmen gern die Vorteile des EU-Binnenmarkts in Anspruch, haben sich aber wirtschaftspolitisch von Kontinentaleuropa stärker entfernt denn je: Sie blockieren alle EU-Bemühungen um eine strikte Finanzmarktregulierung. Sie legen sich bei der Finanztransaktionssteuer quer, die ein Baustein für eine EU-Steuerunion sein könnte. Sie unternehmen nichts gegen Steueroasen in ihrem Einflussbereich - Stichwort Kanalinseln Guernsey, Jersey oder Isle of Man.
Die Geldpolitik der Bank of England ähnelt eher der US-Notenbank Fed als der Europäischen Zentralbank: Die Pfund-Hüter fahren einen ultralockeren Kurs und haben die Geldpressen gewaltig angeworfen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Im Moment rettet die eigenständige Währungspolitik die Insel noch, denn mit einem Defizit von 9,4 Prozent und einer Verschuldung von 81 Prozent des BIP hätte sie das Triple-A-Rating längst verlieren müssen.
Dass die Briten einen großen Schwenk vornehmen und zu Parade-Europäern mutieren, ist unwahrscheinlich: Zu sehr sind sie abhängig von ihrem hypertrophen Finanzzentrum London. Für Drohszenarien sind sie aber in einer schlechten Position. Bleiben die Kontinentaleuropäer hart, müssten sie den Briten konsequenterweise die Tür weisen.
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