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Euro-Slowakei als Einkaufsparadies

Von Gerhard Stadler

Wirtschaft

Nach der Euro- Einführung boomen die Ost-Supermärkte. | Preisvergleich für Österreich günstig. | Wien/Pressburg. Mit dem Übergang der Slowakei als 16. Land zur Euro-Währung teilen wir erstmals mit einem Nachbarstaat im Osten dieselbe Währung. Da nun Preisvergleiche einfacher sind, könnten sich viele in der Nähe der Slowakei lebende Österreicher fragen, ob Güter des täglichen Bedarfes jenseits der Grenze billiger sind. Von Wien bis zur slowakischen Grenze sind es 65 Kilometer, von den Städten Bruck an der Leitha und Neusiedl gute 30 - und schon einen Kilometer Luftlinie jenseits dieser Grenze liegen im Pressburger Stadtteil Petrzalka gleich zwei Hypermärkte mit der beachtlichen Größe von geschätzten 15 000 m² Verkaufsfläche, dazu einige Supermärkte in den Dimensionen bis zu 3000 m².


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Das Ergebnis eines sich zugegebenermaßen auf einen kleinen Teil des Sortiments beschränkenden und wenig systematischen Preisvergleichs um den Jahreswechsel in Supermärkten in Ostösterreich mit den Tesco und Carrefour Märkten in Bratislava-Petrzalka ist eindeutig: Lebensmittel-, Tierfutter-, Haushalts- und Hygieneartikel internationaler Marken, die in beiden Ländern in den Regalen liegen, sind im Osten gegenwärtig zwischen 10 und 20 Prozent teurer als in Österreich - und dies trotz häufiger Sonderaktionen.

Davon ausgenommen ist etwa das historische Fläschchen mit "der" Suppenwürze oder die Dose mit "dem" Energy-Drink aus Österreich. Preisvergleiche sind dennoch schwer: Manchmal wird das gleiche Produkt unter einer anderen Marke angeboten und auch die angebotenen Mengen differieren häufig. Bei solchen Unterschieden helfen Angaben je Gewicht oder Stück, die auch in der Slowakei immer ausgewiesen sind, wenngleich auch klein gedruckt.

Butter im Osten teurer

Davon ausgehend, dass nun auch in der Slowakei die EU-Vorgaben für Lebensmittelproduktion und -hygiene eingehalten und kontrolliert werden, lohnt auch ein Blick in die Kühlregale der Ost-Märkte. Die Qualität von Fleisch, Wurst und Milchprodukten ist durchwegs gut, wenngleich dort der Fettreduktion noch nicht so viel Augenmerk gegeben wird wie bei uns. Als "Bio-Produkte" gekennzeichnete Lebensmittel gibt es kaum. Wegen der Interdependenz mit der Produktqualität sind Preisvergleiche für Milch- und Fleischprodukte noch schwieriger, doch dürfte auch dabei die Slowakei teurer sein. Bei Butter gibt es geradezu ein Ost-Westgefälle: In der Slowakei sind 250 Gramm kaum unter 1,50 Euro erhältlich, in Österreich um einen Euro, in Deutschland zwischen 70 und 80 Cent (jeweils Standardmarken). Hingegen sind heimische Gemüse und Produkte der ersten landwirtschaftlichen Verarbeitungsstufe wie Zucker, Mehl und Senf in der Slowakei in der Regel billiger, ebenso Brot und Backwaren und oft auch Obst aus Drittländern.

Auffallend sind weiters Differenzen im Marketing: Sonderaktionen mit Preisreduktionen bis zu 50 Prozent sind in der Slowakei häufiger und umfassen eine größere Anzahl von Produkten, und ihre Inanspruchnahme ist unabhängig von einer Kundenkarte oder Mindestabnahme - wogegen bei uns die Anbote "Nimm drei und zahle nur für zwei" häufiger werden.

Weiters nehmen, jedenfalls bei Tesco, dem größten Anbieter in der Slowakei, Eigenmarken weitaus mehr Raum ein als bei uns. In fast jeder Produktgruppe gibt es dort einen Eigenartikel, der daneben angebotene Markenartikel preislich im zweistelligen Prozentbereich unterschreitet - bis hin zu Bier und Mineralwasser. Bier, das Nationalgetränk der Slowakei, kostet in den Premiummarken nicht mehr als 65 Cent für 0,5 Liter, die Eigenmarken unter 25 Cent. Das Pfand für die Flasche erhält man auch in Österreich zurück. Weine aus anderen Kontinenten finden wir nicht in den Regalen - dafür aber slowakische, tschechische oder ungarische Weine, die bei Preisen um die drei Euro für 0,75 Liter den Qualitäts- und Geschmacksvergleich mit uns standhalten.

Sprache als Problem

Ein wesentliches Hemmnis für das Einkaufen in der Slowakei ist, dass die Produktbeschreibungen und Informationen nur in slowakischer Sprache angegeben sind und dass man sich auch an den Informationsschaltern in Deutsch oder Englisch kaum verständigen kann. Positiv zu vermerken sind in der Slowakei die Zahlungsmöglichkeit nicht nur mit Bankomat- und Kreditkarten sowie die Öffnungszeiten: Die Märkte haben an 360 Tagen im Jahr geöffnet, und dies bis zu 24 Stunden.