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Euro-Währungshüter beschließen nächsten Zinssprung

Von Karl Leban

Wirtschaft

Während die EZB den Leitzins nochmals um 0,50 Prozentpunkte kräftig anhebt, drosselt die Fed das Tempo weiter.


Im Euroraum ist die Inflation weiter auf dem Rückzug. Aber auch wenn die Rate im Jänner die niedrigste seit Mai 2022 war: Mit 8,5 Prozent fiel sie nach ersten Schätzungen noch immer relativ hoch aus – mehr als vier Mal so hoch wie das erklärte Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB), das auf 2 Prozent lautet und damit aus ihrer Sicht stabilen Preisen entspricht. Vor diesem Hintergrund hatte der von Christine Lagarde geführte EZB-Rat am Donnerstag bei seinem Februar-Meeting keine andere Wahl, als die Zinsen abermals kräftig – um 0,50 Prozentpunkte – anzuheben.

Das oberste geldpolitische Gremium der Notenbank hat seine Schlüsselsätze damit seit Juli 2022, dem Beginn der historischen Zinswende im Währungsgebiet, bereits zum fünften Mal erhöht. Der Leitzins liegt nun bei 3,00 Prozent – und der Einlagensatz, zu dem Geschäftsbanken ihre überschüssige Liquidität bei der EZB parken, bei 2,50 Prozent.

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Mit dem jetzigen Zinsschritt sollen sich Kredite weiter verteuern, was in der Folge Konsum und Nachfrage einbremsen und damit auch die massiv an der Kaufkraft zehrende Teuerung eindämmen soll. Wenige Tage vor der Zinsentscheidung hatte EZB-Präsidentin Lagarde denn auch betont, dass die Inflation "viel zu hoch" sei. "Wir müssen sie senken, und wir werden dieses Ziel erreichen", hatte die Französin gesagt.

Womit die jüngste Zinserhöhung nicht die letzte gewesen sein wird. "Der EZB-Rat wird den eingeschlagenen Kurs fortsetzen, indem er die Zinsen deutlich und in einem gleichmäßigen Tempo anhebt", erklärte die Notenbank in einer Aussendung. Für die Sitzung am 16. März kündigte sie eine neuerliche Anhebung um einen halben Prozentpunkt an. Dann soll eine Bewertung des weiteren Kurses erfolgen.

"Der Preisdruck bleibt stark", hielt Lagarde am Donnerstag vor Journalisten fest. Derzeit legten die Löhne stärker zu, darin spiegelten sich die robusten Arbeitsmärkte wider. Insgesamt seien die Risiken für eine noch höhere Inflation aber nicht mehr so ausgeprägt, sagte Lagarde weiter. Zuletzt habe sich die Lage etwas entspannt, da die Energiepreise gefallen seien. Sollte die Entwicklung anhalten, könnten die Inflationsraten auch schnell wieder fallen. Ausgemacht sei das freilich nicht, so Lagarde.

Heuer noch keine US-Zinssenkung?

Bereits zur Wochenmitte hatte auch die US-Notenbank weiter an der Zinsschraube gedreht. Mit Blick auf die anhaltend hohe Inflation hob die Federal Reserve (Fed) ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf die Spanne von 4,50 bis 4,75 Prozent, das höchste Niveau seit Oktober 2007, an.

Das war bereits ihre achte Zinserhöhung seit März 2022, gleichzeitig aber auch der kleinste Schritt. Zuvor hatten die US-Währungshüter die Inflation, die zeitweise so hoch war wie seit Jahrzehnten nicht, gerade in den vergangenen Monaten besonders aggressiv bekämpft. Wiederholt setzten sie den Leitzins um stolze 0,75 Prozentpunkte nach oben, ehe sie im Dezember damit begannen, das Tempo mit 0,50 Prozentpunkten zu verlangsamen.

Vorerst scheint der Zinsgipfel aber auch in den USA noch nicht erreicht zu sein (die Fed selbst sieht ihn irgendwo bei mehr als 5 Prozent). Fed-Chef Jerome Powell stellte nach dem jüngsten Beschluss jedenfalls weitere Zinserhöhungen in Aussicht. Noch sei es zu früh, um im Kampf gegen die hohen Verbraucherpreise den "Sieg" zu verkünden. "Wir sind der Meinung, dass es da noch einiges zu tun gibt", sagte Powell.
Daneben machte der Notenbanker klar, dass Zinssenkungen für ihn aktuell nicht zur Debatte stünden. "Ich sehe einfach nicht, dass wir in diesem Jahr die Zinsen senken werden."

An den Finanzmärkten wird indes weiter darauf spekuliert, dass die Fed ihren Zinserhöhungszyklus bald beendet und noch heuer dazu übergeht, die Zinsen wieder zu senken. "Derzeit geht der Markt von US-Zinssenkungen im vierten Quartal aus", sagt Peter De Coensel, Chef des belgischen Vermögensverwalters DPAM.

Monika Rosen, Finanzmarktanalystin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft (ÖAG), verweist dazu auf Experten: "Die halten eine Zinssenkung in der zweiten Jahreshälfte zwar für möglich, aber nicht für sehr wahrscheinlich. Dafür müsste die Inflation sehr viel schneller fallen als erwartet." Im Jänner sank die Rate von 7,1, auf 6,5 Prozent. So wie die EZB verfolgt auch die Fed ein Inflationsziel, das mit 2 Prozent deutlich niedriger liegt.

Dass die Fed mit ihrer straffen Geldpolitik die Konjunktur der weltgrößten Volkswirtschaft abwürgen könnte, glaubt Powell nicht. Er rechne für 2023 mit einem Wachstum – wenn auch auf niedrigem Niveau. Wie berichtet, wuchs die US-Wirtschaft gegen Jahresende 2022 überraschend stark. Das dürfte die Sorgen über eine mögliche Rezession im Land gemindert haben.

Auch in UK dreht sich Zinskarussell weiter

Weiter in die Höhe geht der Leitzins unterdessen auch in Großbritannien. Die Bank of England hob ihn am Donnerstag um 0,50 Prozentpunkte auf 4,0 Prozent an. Auch sie stand unter Zugzwang - angesichts der anhaltend hohen Inflation von zuletzt 10,5 Prozent.

Es war bereits der zehnte Zinsschritt in Serie. Die britischen Währungshüter signalisierten jedoch, dass der Zinsgipfel naht. Zugleich gehen sie davon aus, dass die Inflation wahrscheinlich ihren Höhepunkt erreicht hat.