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"Euro wäre nicht attraktiv"

Von Alexander U. Mathé

Politik

Alois von und zu Liechtenstein über Franken-Stärke, Steuerdeals und europäische Perspektiven.


"Wiener Zeitung": Kann sich Liechtenstein den Franken noch leisten?

Alois von und zu Liechtenstein: Der hohe Schweizer Franken ist momentan eine Herausforderung für Liechtenstein. Einerseits für unsere Industrie, die bis auf die Schweiz sonst vor allem in den Euro- und Dollarraum exportiert. Die Kostenbasis ist aber sehr stark Schweizer Franken denominiert, was zu schlechten Margen führt. Der hohe Schweizer Franken ist aber andererseits auch interessanterweise für den Finanzdienstleistungssektor eine große Herausforderung, weil auch dort viele Einnahmen in Dollar und Euro denominiert sind. Insgesamt haben wir gute Erfahrungen gemacht mit dem Schweizer Franken, einer stabilen Währung, und werden deshalb weiterhin auf den Schweizer Franken setzen.

Der Euro wäre also keine Option? Liechtenstein hat ja mit dem Schilling schon einmal eine andere Währung gehabt.

Nein, der Euro wäre in Liechtenstein politisch nicht mehrheitsfähig. Er erlebt momentan eine schwierige Zeit und außerdem müssten wir dann auch noch den Währungsvertrag mit der Schweiz kündigen.

Wäre ein EU-Beitritt etwas, das man sich in Liechtenstein vorstellen könnte?

Nein, auch das wäre nicht vorstellbar. Wir sind mit dem EWR sehr gut in Europa integriert. Der passt sehr gut zu unserer Größe und unseren Anforderungen. Solange die Schweiz nicht in die EU geht, müssten wir dann nicht nur den Währungsvertrag, sondern auch den Zollvertrag kündigen und das ist in Liechtenstein noch weniger mehrheitsfähig.

Liechtenstein hat inzwischen mehrere Steuerabkommen geschlossen. Das mit Österreich tritt 2014 in Kraft. Muss sich Liechtenstein ein neues Geschäftsmodell suchen?

Nein. Die liechtensteinische Wirtschaft ist sehr breit diversifiziert. Wir haben einen sehr starken und in sich wiederum sehr diversifizierten, Industriesektor, der in Europa - gemessen an der Bevölkerung - der größte ist. Auch der Finanzdienstleistungssektor hat sich in den letzten Jahren mit dem EWR-Beitritt diversifiziert. Aber es gibt natürlich Finanzdienstleistungsinstitute in Liechtenstein, die ihr Geschäftsmodell umstellen müssen. Viele sind noch mitten in diesem Transformationsprozess. Einige sind schon erfolgreich, manche tun sich schwerer damit.

Erbprinz Alois von und zu Lichtenstein führt seit 2004 stellvertretend die Regierungsgeschäfte. Der 45-jährige Jurist hat auch eine Offiziersausbildung.