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Europas Wirtschaft wächst stärker

Von WZ-Korrespondent Wolfgang Tucek

Wirtschaft

EU-Kommissar Rehn: Lob und Tadel. | Sorge wegen Finanzmarkt bleibt. | Brüssel. Die Wirtschaft in der EU wird heuer deutlich stärker wachsen als im Frühjahr angenommen. Verantwortlich sind dafür der wieder angesprungene Welthandel, der starke Aufschwung vor allem der asiatischen Schwellenländer und hohe Wachstumsraten in Deutschland sowie Polen.


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Vor allem die deutsche Konjunktur ist viel stärker angesprungen, als es Experten vorhergesehen hatten - mit 3,4 Prozent dürfte der Aufschwung fast drei Mal so hoch ausfallen wie erwartet. Das geht aus dem Zwischenausblick der EU-Kommission hervor, den Wirtschaftskommissar Olli Rehn am Montag präsentierte. "Die Wirtschaft der Union hat wieder ordentlich Fuß gefasst", erklärte der Finne. Es sei für die ganze EU gut, dass Deutschland die wirtschaftliche Entwicklung in Schwung gebracht habe und sich einmal mehr als Motor der EU-Wirtschaft erweise.

Der Welthandel hat um zwölf statt prognostizierten zehn Prozent zugelegt und zu Jahresmitte wieder dasselbe Niveau erreicht wie vor der Krise. In der zweiten Jahreshälfte werde die weltweite Nachfrage zwar etwas abflauen, was sich auf die EU-Exporte schlagen könnte. Doch werde ein wesentlicher Teil des Wachstums bereits von der Inlandsnachfrage getragen - was ermutigend für eine bleibende Erholung sei.

Kreditvergabe steigt weiter nur langsam an

Die gefährlichen Entwicklungen auf den Finanzmärkten im Frühjahr rund um die Griechenland- und Euro-Krise seien fürs Erste eingefangen worden, meinte der Wirtschaftskommissar. Doch steige die Kreditvergabe der Banken an Haushalte nur langsam an; gegenüber Unternehmen außerhalb des Finanzsektors habe das Kreditvolumen sogar nachgelassen.

Die Risikoaufschläge für die Staatsanleihen einiger Länder seien schon wieder ziemlich weit von jenen Deutschlands entfernt, was neuerlich zu hohen Finanzierungskosten führen könne. So erfreulich der deutsche Boom ist, so besorgniserregend sei die unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklung der EU-Länder, sagte Rehn: "Die Wettbewerbsfähigkeit in einigen Mitgliedsstaaten lässt zu wünschen übrig." So liege das recht moderate Wachstum Italiens daran, dass das Land weniger von der internationalen Nachfrage profitiere. Abhilfe könnte eine kurzfristige Lohnzurückhaltung schaffen, meinte der EU-Kommissar. Spaniens Wirtschaft wird als einzige der großen Mitgliedstaaten erneut schrumpfen. Der Umbau des wirtschaftlichen Modells müsse dort daher weitergehen.

Basis der neuen EU-Zwischenprognose sind die Entwicklungen in den sieben größten Mitgliedstaaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen, Niederlande und Spanien. Sie machen mehr als 80 Prozent der EU-Wirtschaftsleistung aus.