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Präsident Vázquez darf nicht erneut kandidieren. | Sieger übernimmt wirtschaftlich stabiles Land. | Montevideo. Uruguay, der kleinste spanischsprachige Staat Südamerikas, wählt am Sonntag sein neues Staatsoberhaupt. Der amtierende Präsident Tabaré Vázquez, der nach der uruguayischen Verfassung kein zweites Mal in direkter Folge gewählt werden kann, hinterlässt seinem Nachfolger ein wirtschaftlich solides und - für lateinamerikanische Verhältnisse - politisch stabiles Land.
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Ob dies auch nach dem Amtsantritt des neuen Präsidenten am 1. März 2010 noch der Fall sein wird, ist fraglich. Denn egal welcher der beiden aussichtsreichsten Kandidaten das Rennen um das höchste Amt im Staat machen wird, alte Wunden werden in jedem Fall wieder aufgerissen.
Favorit auf den Wahlsieg ist José Mujica, Kandidat der Linkspartei Frente Amplio (FA), der in den jüngsten Meinungsumfragen in der Wählergunst klar vor seinem Kontrahenten der Nationalpartei Partido National (PN), Luis Alberto Lacalle, liegt.
Der linke José Mujica gehört zu den schillerndsten sowie auch zu den kontroversiellsten politischen Persönlichkeiten in der Geschichte Uruguays. Der 74-jährige "Pepe" Mujica war 1962 einer der Begründer und Führer der Stadtguerilla Montevideos. Die sogenannten "Tupamaros", gefürchtet für ihre Terroranschläge und Entführungen von hochrangigen Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft, wurden schließlich zum Vorbild der italienischen Roten Brigade und der deutschen Roten Armee Fraktion.
Mujica wurde alsGuerillero gefoltert
Nach zehnjähriger Guerillatätigkeit wurde Mujica 1972 verhaftet und inhaftiert. Während der Militärdiktatur, die Uruguay von 1973 bis 1985 beherrschte, saß Mujica unter unmenschlichen Bedingungen in Einzelhaft und wurde im Gefängnis auch gefoltert. 1985 wurde er entlassen und trat seine politische Karriere an.
Der heutige Senator war von 2005 bis 2008 Landwirtschaftsminister und hofft nun erster Mann im Staat zu werden. Der ehemalige Tupamaro ist sich jedoch bewusst, dass seine Kandidatur politische Sprengkraft birgt: "Wenn ich Präsident werde, gibt es in Uruguay ein Erdbeben!", erklärte Mujica in der uruguayischen Tageszeitung Busqueda. Nicht nur Mujicas politische Vergangenheit diente seinem Widersacher Luis Alberto Lacalle im Wahlkampf als willkommener Angriffspunkt, sondern auch sein extrem linkes Politikkonzept, das an Hugo Chavez’ "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" angelehnt ist.
Lacalle willSozialausgaben kürzen
Der konservative Luis Alberto Lacalle war schon von 1990 bis 1995 Präsident von Uruguay. Bei seinen Gegnern gilt er als Vertreter der reichen Oberschicht, der in seiner Amtszeit als Staatsoberhaupt den Rotstift vor allem bei der armen Bevölkerung ansetzte, die rund 20 Prozent der 3,3 Millionen Uruguayaner ausmacht. Auch für die Zukunft kündigte Lacalle im Fall eines Wahlsieges an, "mit der Motorsäge" die Sozialausgaben kürzen zu wollen.
Lacalles politische Vergangenheit ist getrübt durch enge Verbindungen zu umstrittenen Staatsoberhäuptern wie beispielsweise dem kürzlich wegen Korruption verurteilten Alberto Fujimori (Peru), Fernando Collor de Melo (Brasilien) und Carlos Menem (Argentinien). Außerdem wird ihm nachgesagt, ein Bewunderer des ehemaligen spanischen Diktators Franco zu sein.
Die letzten Umfragen sagten einen Wahlsieg Mujicas voraus - allerdings nur im ersten Wahlgang. Sollte keiner der Kandidaten am kommenden Sonntag die erforderliche absolute Mehrheit erzielen, so kommt es am 29. November zu einer Stichwahl. Und bei der könnte Lacalle dann von den Stimmen der rechten Kleinparteien profitieren. Das politische Erdbeben bliebe in Uruguay dann wohl aus.
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