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Ex-ÖBB-Aufseher kritisiert die Bahn

Von Franz Steinbauer

Wirtschaft

Geschäftsordnung der ÖBB könnte nach Spekulationsdebakel geändert werden. | Wien. Extrem kritisch beurteilt der ehemalige Aufsichtsratspräsident der Bahn, Wienerberger-Chef Wolfgang Reithofer, die Spekulationsgeschäfte der ÖBB (Österreichische Bundesbahnen). Die ÖBB sollten "Eisenbahn fahren", und keine Finanzspekulationen betreiben, sagt Reithofer, der bis Mai 2007 ÖBB-Aufseher war. Die Bahn solle sich auf ihre Kernkompetenz konzentrieren. Reithofer betont jedoch, dass die Geschäfte nicht aufsichtsratspflichtig gewesen seien. "Ich habe davon im Nachhinein erfahren." Wenn er davon gewusst hätte, hätte er nein gesagt, so der Ex-Bahn-Aufsichtsratspräsident.


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Die ÖBB müssen für risikobehaftete CDOs (Collateralized Debts Obligations, forderungsbesicherte Wertpapiere, Anm.) 2005, 2006 und 2007 kumuliert voraussichtlich rund 150 Mio. Euro an Rückstellungen bilden. Die Bewertung für 2007 läuft aber noch.

Allerdings gibt es eine Diskussion, ob die Richtlinien nicht geändert werden sollten. "Eine unabhängige Wirtschaftsprüfungskanzlei prüft", sagte ein ÖBB-Sprecher der "Wiener Zeitung". Ende Februar werde das Ergebnis vorliegen, danach könnte der ÖBB-Aufsichtsrat als Konsequenz die Geschäftsordnung ändern.

Aus gewöhnlich gut informierten Kreisen war zu erfahren, dass ÖBB-Chef Martin Huber 2005 trotz der damals geltenden Geschäftsordnung eine außerordentliche Aufsichtsratspflicht für das Hypothekenportfolio angeregt habe. Warum trotz dieser Vorsichtsmaßnahme der drohende Verlust nicht früher erkannt wurde, ist unklar. Die Bahn wollte diese Version freilich nicht bestätigen: "Wir weisen diese Darstellung zurück, alles ist korrekt abgelaufen", sagt die Bahn in einer ersten Stellungnahme.