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Ex-Premier Sharif als neue Herausforderung für Musharraf

Von Rana Jawad

Politik

Neue Niederlage des pakistanischen Präsidenten vor Höchstgericht. | Islamabad. (afp) Nawaz Sharif stieg 1981 unter den Fittichen der Armee in Pakistans turbulente Politik ein - ein Vierteljahrhundert später ist der frühere Premier einer der gefährlichsten Herausforderer von Militärmachthaber Pervez Musharraf. Der General, der Sharif vor sieben Jahren aus dem Land jagte, musste Donnerstag eine herbe Niederlage einstecken, als das Oberste Gericht die Rückkehr Sharifs in seine Heimat ermöglichte. Als kompromissloser Gegner Musharrafs, von dem er nichts weniger als den Rücktritt verlangt, kann Sharif sich jetzt gegenüber seiner ewigen Rivalin Benazir Bhutto profilieren, die schon Verhandlungen mit dem Musharraf führte.


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Sharif ist der Spross einer reichen Unternehmerdynastie, die in Pakistan mit Stahl, Zucker und Papier ihr Vermögen gemacht hatte. Mit gerade mal 31 Jahren wurde er 1981 vom damaligen Militärdiktator Zia ul Haq zum Finanzminister der Provinz Punjab ernannt. Die Wahl des Militärs fiel auf den jungen Unternehmersprössling, weil dessen Familie für ihre Abneigung gegen den Clan des hingerichteten Premierministers Zulifqar Ali Bhutto bekannt war. Den hatte Zia ul Haq schon 1977 hinrichten lassen; die Familie Sharif behielt Bhutto in schlechter Erinnerung, weil er zahlreiche ihrer Industriebetriebe verstaatlicht hatte.

Entschiedener Gegner des Bhutto-Clans

Kein Wunder also, dass Sharif nach seinem Aufstieg zum Regierungschef des Punjab alle Hebel in Bewegung setzte, um der Bhutto-Tochter Benazir das Leben schwer zu machen, die nach dem Tod von Zia ul Haq bei einem Flugzeugunglück Premierministerin des Landes geworden war. Die Rivalität der beiden Politiker, die das Land auf dem Subkontinent mehrfach abwechselnd regierten, fing also nicht erst mit ihrer politischen Laufbahn an, sondern kann quasi als Familientradition bezeichnet werden.

Bhutto wurde 1990 mit dem stillschweigenden Einverständnis der Militärs gefeuert - nun war Sharif an der Reihe, der die folgenden Wahlen gewann. Doch nach drei Jahren überwarf sich der ehrgeizige Politiker mit Staatspräsident Ghulam Ishaq Khan und wurde seinerseits entlassen. Was dann geschah, bezeichnen Beobachter als Wendepunkt in Sharifs Laufbahn: Statt das Premierministerkarussell zu akzeptieren, startete er einen massiven Angriff auf Präsident Khan, der als sein Mentor und höchstrangiger Vertreter des allmächtigen Militärs galt. Doch zunächst wurde wieder Bhutto Regierungschefin, erst 1996 war Sharifs Zeit wieder gekommen, nachdem Bhutto wegen Korruptionsvorwürfen aus dem Amt gejagt wurde.

Zerwürfnis mit Armeechef Musharraf

Mit einem rauschenden Wahlsieg und einer Zweidrittelmehrheit im Parlament im Rücken, glaubte Sharif sich 1997 endlich stark genug, es mit der Armee aufnehmen zu können - immerhin eine der wenigen Konstanten im öffentlichen Leben und während der 60-jährigen Unabhängigkeit des Landes fast immer an den Hebeln der Macht. Sharif selbst ernannte 1998 Pervez Musharraf zum Chef der Armee. Doch das Machtbewusstsein der beiden Männer führte schon bald zu einem bitteren Konflikt. Da er Musharraf verdächtigte, einen Putsch gegen ihn zu planen, versuchte Sharif 1999 den mächtigen General zu entlassen, während dieser auf der Rückkehr von einer Reise nach Sri Lanka hoch in der Luft in einem Flugzeug saß.

Doch die Armee reagierte blitzschnell, entmachtete Sharif ohne Blutvergießen und brachte Musharraf sicher nach Pakistan zurück. Die Verurteilung Sharifs wegen Flugzeugentführung geht auf diese Episode zurück. Im Jahr 2000 wurde Nawaz Sharif zu lebenslanger Haft verurteilt, sein Bruder Shahbaz wurde freigesprochen. Im April durfte die gesamte Familie nach Saudi-Arabien ausreisen, wo sie nach Angaben von Musharraf zehn Jahre bleiben sollte.

Doch nach sieben Jahren muss ein innen- und außenpolitisch bedrängter Musharraf feststellen, dass die Serie der Comebacks von Sharif vielleicht noch nicht vorbei ist. Dass er sich schon früher den Militärs in den Weg gestellt hat, könnte ihm jetzt im Kampf um die Gunst der Pakistanis zugute kommen.