Zum Hauptinhalt springen

Ex-Siemens-Boss versteht Angst vor Run auf Bawag

Von Wolfgang Zaunbauer

Politik

Albert Hochleitner: | Aufsichtsrat war dennoch zu informieren. | Gutachter fordert 50.000 Euro. | Wien. War der Bawag-Aufsichtsrat wirklich so "legendär" undicht, wie Ex-Aufsichtsrat Albert Hochleitner im Juni vor dem U-Ausschuss behauptet hat? Am Montag stand der einstige Siemens-Österreich-Chef, der mit seiner Aussage den angeklagten Bank-Vorständen eine probate Ausrede dafür lieferte, wieso sie den Aufsichtsrat nicht über die Karibik-Verluste informiert haben, im Zeugenstand des Bawag-Prozesses. Dort wiederholte Hochleitner seine Behauptungen über die Indiskretionen des Aufsichtsrates. Dennoch hätte der Vorstand informieren müssen, so der 67-Jährige. Gleichzeitig signalisierte Hochleitner aber auch Verständnis für die Verschwiegenheit von Helmut Elsner und Co. aus Angst vor einem Run auf die Bank: "Hätte man die Frage publik gemacht, wäre die Bank zugrunde gerichtet worden."


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 16 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Als bisher einziger Zeuge suchte Hochleitner in den Verhandlungspausen das Gespräch mit den früheren Bawag-Vorständen - auch mit Elsner, der sonst wie ein Paria gemieden wurde. Dieser genoss das kurze Gespräch denn auch sichtlich.

Für Hochleitner war der Bawag-Aufsichtsrat keiner, "der alles stillschweigend zur Kenntnis genommen hat." Auch zu den Karibik-Geschäften sei wiederholt nachgefragt worden, bis es 1998 hieß, sie seien beendet. Wären die Aufsichtsräte über die Verluste informiert worden, hätte es "keine Prämien, keine Gehaltserhöhungen" für die Vorstände gegeben, so Hochleitner.

Boni auch für Büttner, Schwarzecker, Kreuch

In Unkenntnis über die Karibik-Verluste hatte der Aufsichtsrat im Zuge der PSK-Akquirierung Elsner und Johann Zwettler im Jahr 2000 Sonderzahlungen in der Höhe von acht beziehungsweise zwei Millionen Schilling sowie Gehaltserhöhungen zugebilligt. Auch die übrigen Vorstände, Christian Büttner, Josef Schwarzecker und Hubert Kreuch, ließen sich im November 2000 die vermeintlich gute Jahresbilanz mit einer Gehaltserhöhung von 80.000 Euro (auf 410.000 Euro) abgelten - damals betrugen die Verluste aus den Geschäften mit Wolfgang Flöttl bereits mehr als eine Milliarde Dollar.

Sechs Wochen später weigerten sich die drei, die Bilanz 2000 zu unterschreiben, sollte der Eigentümer nicht für die Verluste (mittlerweile auf 1,4 Milliarden Euro angewachsen) garantieren. In der Folge gab der ÖGB eine Garantie für seine Bank ab. Dass sich Büttner, Schwarzecker und Kreuch ihr Gehalt trotz Kenntnis der Misere um ein Viertel aufstocken ließen, trübt die Optik doch ein wenig.

A propos großzügige Beträge: Der wegen Befangenheit ausgetauschte Gutachter Christian Imo hat dem Gericht mittlerweile eine Honorarnote übermittelt. Für seine Tätigkeit (am 9. August war Imo bestellt, am 1. Oktober abberufen worden) stellt der ehemalige Vorstand der Wiener Börse mehr als 50.000 Euro in Rechnung. Im Falle von Freisprüchen muss der Staat diese Kosten übernehmen. Andernfalls werden sie den Verurteilten in Rechnung gestellt. Dies war auch bei Hermann Gerharter der Fall. Um Gerichtskosten zu decken, nahm der Ex-Konsum-Chef bei der Bawag einen Kredit auf, der ihm laut Staatsanwaltschaft in der Folge von Elsner quasi geschenkt wurde. Dafür sitzt Gerharter ab Mittwoch ebenfalls auf der Anklagebank.