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Exzellente Forschung: USA im Vorteil?

Von Stefan Beig

Wissen

Risikobereitschaft in den USA höher. | Monika Henzinger über ihre Erfahrungen in Übersee. | Wien. "Man soll sich hohe Ziele stecken, ansonsten erreicht man nichts", meint die mehrfach ausgezeichnete Informatikerin Monika Henzinger, die seit Herbst 2009 an der Uni Wien lehrt. Am Donnerstag sprach sie im Bruno Kreisky Forum über exzellente Forschung in den USA und in Europa.


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Sehr angetan ist die gebürtige Deutsche und Princeton-Absolventin, die unter anderem an der Cornell University lehrte, von der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchs in den USA. Schon in den Schulen würde die Neugierde geweckt: "Es werden tolle ,Science Museen besucht. Wenn man nur Windows und Excel lernt, ist das fad." Weniger Stress und mehr Spaß, etwa durch das Ausprobieren von Experimenten, sei gefragt.

Vorteilhaft seien auch die Aufnahmebedingungen an US-Unis, denn diese "können es sich leisten, die besten Studenten auszusuchen und ihnen Stipendien zu geben, sodass sie nicht mehr arbeiten müssen. Wer zu den Besseren gehört, kriegt das Geld. Deshalb studieren die Studenten auch wie wild." Nachteilig sei da die Situation in Österreich: "Es fehlen Zulassungsbeschränkungen." Das Aussieben unqualifizierter Studenten falle auf den Professor zurück. "Bei so vielen Studenten in den ersten Semestern leidet die Qualität."

Auch bei der Auswahl der Professoren liege in den USA der Schwerpunkt auf Exzellenz: "Besser niemanden einstellen, als jemand schlechten", laute die Devise. Doch neben forschungsorientierten Top-Unis und durchschnittlichen, eher anwendungsorientierten Unis gebe es auch niedriger eingestufte Einrichtungen, die praxisorientierten FHs ähneln. "Wer hier studiert, bekommt sofort einen Job in der Wirtschaft ."

Besonders risikofreudig seien Doktoranden, weil sie "noch keine Familie haben, am neuesten Stand der Technik sind und nichts zu verlieren haben." So könnte auch der Einstieg in die Wirtschaft gelingen. Als Muster-Beispiel nannte Henzinger die Internetsuchmaschine Google, die zwei Stanford-Studenten 1998 entwickelten. "Die Google-Gründer waren zunächst frustriert", so Henzinger. Keine bestehende Suchmaschine interessierte sich für ihren Algorithmus, der die Websites einer eigenen Bewertung nach Wichtigkeit unterzieht. Doch dann ermöglichte die Finanzspritze eines Professors den ersten Schritt als Unternehmen.

"Das Umfeld der Doktoranden ist entscheidend", so Monika Henzinger. Und: "Man darf sich nicht entmutigen lassen." Henzinger war selber Forscherin bei der Digital Equipment Corporation und anschließend Director of Research bei Google Inc.