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Fabrik-Chic für größte Wanderklasse

Von Christian Mayr

Politik
Verbeulte Fassade des neuen Publizistik-Instituts.
© ©www.Viennaslide.com

Im Neubau für die Wiener Publizistik werden zerstreute Institute vereint.


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Wien. Viele haben wohl nicht mehr daran geglaubt - im anbrechenden Wintersemester ist es aber endlich so weit: Das Institut für Publizistik der Universität Wien eröffnet in der Währinger Straße 29 im 9. Bezirk - unweit des Universitätscampus Altes AKH - ihr neues, zentrales Institutsgebäude. Nach allerlei Versprechungen, jahrelangen Verzögerungen und diversen Anrainereinsprüchen gegen das Projekt geht damit auch eine Ära zu Ende. Denn aufgesplittet auf vier Teilgebäude (der Hauptsitz befand sich in der Währinger Schopenhauerstraße), bezeichneten sich die Publizisten - durchaus mit einem kräftigen Schuss Sarkasmus - schon lange nur noch als "die größte Wanderklasse Österreichs", wie Studienprogrammleiter Klaus Lojka der "Wiener Zeitung" erklärt.

Gemeinsam mit dem Institut für Informatik teilt man sich ab sofort den 25 Millionen Euro teuren Neubau, der täglich für bis zu 2000 Studierende und Professoren Platz bieten soll. Dank dreier Hörsäle - der größte für 200 Personen - werden künftig auch fast alle Vorlesungen in der Währinger Straße stattfinden; ausgenommen sind nur große Lehrveranstaltungen für das Bakkalaureat-Studium, für die weiter das Audimax der Uni bereitsteht.

Architektonische Finessen

Auffällig ist, dass der neungeschoßige Neubau mit gefälligen architektonischen Feinheiten aufwarten kann: etwa die "verbeulte Fassade" aus Beton, die je nach Standort und Tageslicht die unterschiedlichsten Farb- und Kontrasteffekte bewirkt. Auch im Inneren sticht ein eigenwilliger Fabrik-Chic ins Auge: Leitungsstränge wurden nicht hinter abgehängten Decken versteckt, sondern liegen bewusst offen; dahinter blitzt der nackte, graue Beton hervor, nur teilweise verdeckt von großen, runden Lichtelementen und Scheiben zur Akustik-Dimmung. Diese ästhetische Redundanz hatte aber auch einen bestimmten Grund: "Wir haben uns vor allem aus Kostengründen für diese Variante entscheiden", erklärt Ernst Eichinger, Sprecher des Bauherrn BIG (Bundesimmobiliengesellschaft). Ebenfalls gewagt ist das Farben-Interieur: Es dominieren Giftgrün und Orange. Ein Highlight stellt auch der zwar kleine, aber ruhig gelegene Innenhof dar, der mit kastanienroten, runden Sitzmöbeln bestückt ist.

Auf die nächsten größeren Uni-Neueröffnungen in Wien heißt es noch ein Jahr warten: Im Wintersemester 2013 sollen sowohl der neue WU-Campus im Prater als auch der Uni-Wien-Standort Rossauer Lände (Mathematik und Wirtschaftswissenschaften) in Betrieb gehen.