Zum Hauptinhalt springen

FACC an Börse gelandet

Von Karl Leban

Wirtschaft

Frisches Blut für Wien: Aktien des oberösterreichischen Flugzeugzulieferers werden heute erstmals gehandelt


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 9 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Wien. Mit dem Flugzeugzulieferer FACC prangt auf dem Kurszettel der Wiener Börse nun ein weiterer Titel: Heute, Mittwoch, startet der Handel mit den Aktien der oberösterreichischen Firma. Ausgegeben wurden sie zu einem Stückpreis von 9,50 Euro - exakt in der Mitte der Preisspanne von 8,00 bis 11,00 Euro, zu der sie knapp drei Wochen lang zur Zeichnung angeboten worden waren.

Analysten sprechen von einem fairen Preis. Die FACC-Aktie habe damit Platz nach oben, womit einem gelungenen Einstand an der Börse nichts im Wege stehen sollte. Auf Basis des Platzierungspreises bringt der in Ried im Innkreis ansässige Konzern einen Börsenwert von 435 Millionen Euro auf die Waage.

Obwohl die Investorennachfrage während der Zeichnungsfrist nicht gerade brüllend war, konnte das gesamte zum Kauf angebotene Aktienvolumen unterm Strich offenbar problemlos platziert werden. Laut FACC war die Transaktion "deutlich überzeichnet". Österreichischen Kleinanlegern wurden 14 Prozent der insgesamt mehr als 22,43 Millionen Aktien zugeteilt, Profi-Investoren (wie etwa Fonds) 86 Prozent.

Rückzug der Chinesen auf 51-Prozent-Mehrheit

In Summe hat der Börsegang, ein Mix aus Kapitalerhöhung und Altaktienverkauf, einen Gesamterlös von gut 213 Millionen Euro eingespielt. Wobei 150 Millionen in die Kassa von FACC fließen und 63,2 Millionen Euro in die Taschen des bisherigen Alleineigentümers, des Flugzeugherstellers Avic, der dem chinesischen Staat gehört. Avic hat FACC vor mehr als vier Jahren einer österreichischen Investorengruppe um Hannes Androsch abgekauft. Mit dem Börsegang haben sich die Chinesen nun auf 51 Prozent zurückgezogen, die restlichen 49 Prozent der Anteile sind jetzt breit im Publikum gestreut.

Das frische Geld will FACC (Fischer Advanced Composite Components) für die Finanzierung einer Reihe von Projekten verwenden, die das Wachstum des Unternehmens weiter ankurbeln sollen. So ist geplant, die Produktion mit dem Bau neuer Werke auszuweiten, innovative Produkte zu entwickeln und über die Akquisition kleinerer Firmen Geschäft zuzukaufen.

Als Luftfahrttechnik-Spezialist ist FACC vor allem in der Kunststoffverarbeitung tätig. Entwickelt und produziert werden Passagierkabinen und Strukturbauteile für Verkehrsflugzeuge, Business Jets und Hubschrauber. Das Unternehmen beschäftigt fast 3000 Mitarbeiter, davon 2700 in Österreich. Heuer will das Management weitere 150 Leute aufnehmen.

Die größten Kunden der Oberösterreicher sind Boeing und Airbus. Zudem beliefert FACC Flugzeugbauer wie Bombardier, Embraer oder Suchoj, aber auch den Triebwerkshersteller Rolls-Royce.

Seit das aus einem Spin-off von Fischer Ski hervorgegangene Unternehmen mit Avic einen strategischen Partner an Bord hat, geht es geschäftlich bergauf. Davor hatte FACC jahrelang große Probleme und infolgedessen zum Teil hohe Verluste am Hals. Doch seit die Chinesen das Zepter führen, sind die roten Zahlen weg.

Auftragsvolumen derzeit bei4,2 Milliarden Euro

Vor allem über neue Märkte im asiatischen Raum hat Avic FACC bessere Absatzmöglichkeiten verschafft. In den vergangenen Jahren ist das Innviertler Unternehmen rasant gewachsen. Im Geschäftsjahr 2013/14 (per Ende Februar) sprang sein Umsatz mit 546,5 Millionen Euro zum ersten Mal über die Marke von einer halben Milliarde. Mit der jetzigen Kapitalausstattung sieht FACC-Chef Walter Stephan das Potenzial, ohne mögliche Firmenzukäufe künftig auf bis zu einer Milliarde Euro Umsatz zuzulegen.

Heuer werde FACC im hohen einstelligen Prozentbereich wachsen und damit weniger stark als zuletzt, sagte Stephan am Dienstag vor Journalisten. Im Dreijahreszeitraum sollen jedoch wieder zweistellige Wachstumsraten eingefahren werden. Dafür sieht sich FACC jedenfalls gut gerüstet, zuletzt hatte das Unternehmen Aufträge im Wert von 4,2 Milliarden Euro in seinen Büchern. Als Zulieferer profitiert FACC derzeit davon, dass vor allem massiv expandierende Airlines aus Asien ihre Flotten vergrößern und wie wild Flugzeuge bestellen. Das Geschäft boomt.

Seinen neuen Aktionären verspricht FACC künftig eine Dividende von 20 bis 30 Prozent des Nettogewinns. 2013/14 lag dieser bei knapp 29 Millionen Euro.