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Falsches Mitgefühl macht nicht satt

Von Judith Belfkih

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Nicht nur die Politik, auch die Welt der Kunst reagierte und reagiert auf die Anschläge in Paris. Die irische Band U2 und die britische Rock-Band Motörhead haben ihre für das Wochenende geplanten Paris-Konzerte abgesagt. US-Sänger Prince hat gleich seine gesamte Europa-Tournee aufgrund der tragischen Ereignisse vorerst abgeblasen.

Und auch die aktuelle Flüchtlingssituation wirkt sich auf die Konzertpläne aus. Die deutsche Sängerin Nena etwa hat ihren für morgen, Donnerstag, geplanten Auftritt in der Dreiländerhalle in Passau auf Juni 2016 verschoben.

Als Grund gibt sie an, Fans hätten Bedenken geäußert, dass die Halle, die auch als Notquartier für Flüchtlinge dient, extra für das Konzert geräumt werden müsse. Ein durchaus verständliches Argument. Doch wie auch immer die Motive der Künstler im Einzelnen zu bewerten sind: Gerade in schwierigen Zeiten kann Kunst dazu beitragen, Menschen Lebensmut und -freude zu erhalten und wieder zurückzugeben. Kulturelle Termine aus Pietät den Opfern der Anschläge oder dem Leid der Flüchtlinge gegenüber zu stornieren, hilft niemandem. Den Opfern in aller Demut ein Konzert zu widmen, einen Teil des Erlöses zu spenden oder sich mit den bereits ersungenen Millionen zu engagieren, hilft dagegen allen. Den Fans und den Leidtragenden. Unterdotierte Camps in Syrien, die Verpflegung von Flüchtlingen auf ihrem Weg nach und durch Europa oder Institutionen, die mit Integration mögliche Radikalisierung unterbinden wollen - die Möglichkeiten sind unerschöpflich.

Seine Stimme zu erheben wirkt hier stärker, als zu verstummen.