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Fatale Bilanz bei Biokraftstoffen

Von Dieter Friedl

Wirtschaft

Studie: Derzeitige Bio-Treibstoffe sind Fehlentwicklung. | Treibhausgase: Aus der Positiv- wird eine Negativ-Bilanz. | Wien. Die Ökobilanz der derzeit verwendeten Biokraftstoffe ist nicht positiv, sondern negativ. Das zeigt eine Studie des Internationalen Rats für nachhaltige Ressourcennutzung, die 20 Ökologen mit Ernst-Ulrich von Weizsäcker an der Spitze vorgelegt haben. Demnach ist die Öko- und Klimabilanz von Biodiesel sogar noch schlechter als jene von herkömmlichem Benzin.


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Derzeit werden dem Benzin 5 Prozent Bioethanol beigemischt; bei Diesel liegt die Bioquote bei 7 Prozent. Eine weitere Aufstockung ist angedacht, Österreich gilt als Vorreiter in der EU. Während jedoch das dem Benzin beigemischte Ethanol größtenteils aus heimischen Quellen stammt (genauer: aus dem Raiffeisenwerk in Pischelsdorf, das mit Weizen und Mais aus der heimischen Landwirtschaft beliefert wird), muss der Rohstoff für Biodiesel größtenteils importiert werden. Die Basis für die Erzeugung ist meist Raps, der nur in geringen Mengen in Österreich angebaut wird. Bei der Erzeugung werden zum Teil auch Altöle verwendet. Biodieselfabriken gibt es in Österreich zuhauf, viele von ihnen stehen aber finanziell am Rand des Abgrunds.

Großflächige Abholzung

Wie fatal sich die erste Generation der Treibstoffe auf die Umwelt auswirkt, zeigt die Studie des Wuppertal-Instituts. In den Ökobilanzen des UN-Umweltprogramms, die dem Bericht zugrunde liegen, haben die Ökonomen die Entstehung des Biosprits berücksichtigt. Vier Fünftel des Weltmarktes für Palmöl, das auch für Biosprit verwendet wird, werden nämlich von Malaysia und Indonesien abgedeckt. Rechnet man die großflächige Abholzung oder Brandrodung von Regenwald ein, so wird aus der Positiv- eine Negativbilanz. Demnach werden bei der Produktion von einem Liter Biodiesel aus Palmöl um 800 Prozent mehr Treibhausgase ausgestoßen als bei fossilem Diesel. Handelt es sich bei dem freigelegten Land um ein Hochmoor, das besonders viel Kohlenstoff im Boden gebunden hat, können es sogar 2000 Prozent mehr sein.

Nicht nur für Ölpalmen haben die Wissenschafter kritische Bilanzen errechnet. Bioethanol aus Mais hat ebenfalls eine negative Bilanz - 5 Prozent mehr Treibhausgasausstoß gegenüber dem fossilen Diesel - auch deshalb, weil zur Verflüssigung große Mengen Strom gebraucht werden.

36 Millionen Hektar Land sind weltweit für die Produktion von Biotreibstoffen im Gebrauch, welche nur 1,8 Prozent der verbrauchten Transportbrennstoffe ausmachen. Um künftig wie geplant 10 Prozent des Treibstoffbedarfs durch nachwachsende Rohstoffe zu decken, müsste die Anbaufläche auf bis zu 500 Millionen Hektar steigen. Das aber würde bis zu 1 Milliarde Tonnen zusätzlicher Treibhausgase bedeuten: 170 bis 760 Millionen Tonnen eingespartem CO2 stünden 0,75 bis 1,83 Milliarden Tonnen Treibhausgas durch Abholzung gegenüber

Anlass zur Hoffnung geben Biokraftstoffe der zweiten und dritten Generation, für die nicht extra Land benötigt wird. Biotreibstoffe aus landwirtschaftlichen Abfällen hätten eine positive Ökobilanz, so die Experten. Auch sehen sie neue Chancen: "Wir wissen immer noch zu wenig über die Energiegewinnung aus organischen Abfällen, da könnte man eine Menge machen", heißt es.

Treibstoffe aus Stroh

Die deutsche Südchemie hat zudem jüngst in Wien eine erfolgversprechende Entwicklung vorgestellt. Im März hat man eine Pilotanlage in Betrieb genommen, die Bioethanolerzeugung auf Basis von Stroh testet. Kommendes Jahr soll es den Spatenstich für eine Demonstrationsanlage geben. Eine industrielle Nutzung hofft man ab 2013 aufnehmen zu können. Man geht davon aus, dass man damit etwa 20 Prozent des Benzinbedarfs ersetzen könnte. Für einen Liter Bioethanol sind 5 Kilo Stroh notwendig. Gedacht ist an Fabriken mit einer Kapazität zwischen 50.000 und 150.000 Jahrestonnen.