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Fear and Loathing in Bregenz

Von Christoph Irrgeher

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Kein Schauspiel bei den Bregenzer Festspielen - na und?


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Donnerstag, 12.56 Uhr. Vorarlberg erbebt. "Bregenzer Festspiele streichen das Schauspielprogramm", kabelt der lokale APA-Korrespondent; der Satz jagt als Alarmmeldung in die Wiener Redaktionsstube.

Dort durfte man sich aber kühlen Blutes fragen: Na und? Stimmt zwar: Würden die Salzburger ihr Theater-Portfolio kippen - manche Premiere wäre futsch. In Bregenz aber handelt es sich um einen feinen chirurgischen Schnitt, denn die Amputation gilt quasi dem Appendix des Festivals. Auf der Bodensee-Schauspielschiene rollen jährlich nur einige Gastspieltermine daher - aus dem Theater in der Josefstadt, Berlin oder Köln. Das zentrale Opernprogramm bleibt dagegen auch künftig gewahrt: 2013 hat eine neue Seebühnen-Produktion Premiere, im Festspielhaus setzt es eine Uraufführung. Addiert man die Operngebarung aus der zeitgenössischen Rubrik ("KAZ") hinzu, werden gar vier Musiktheaterwerke aufgeboten.

Dass aus Bregenz dennoch Hiobsgeheul tönt, ist wohl einerseits jenem lokalen Bedeutungswillen geschuldet, der sich schon in einer Intendantendebatte aufbauschend bemerkbar machte. Zu einem gewissen Grad hat man die Besorgnis aber auch ernst zu nehmen. Schließlich hat Bregenz jüngst erneut einen Großsponsor verloren. Und die Einnahmen, die ein aus Bustouristenperspektive als Opernexot zu bezeichnendes Werk namens "André Chénier" zuletzt zeitigte, waren nicht die üppigsten aller Zeiten. Aber trotzdem, bitte! Noch ist Bregenz nicht verloren. Schon allein wegen dem exzellenten Vorverkauf für Mozarts "Zauberflöte" 2013. Die zaubert Bregenz ja vielleicht auch wieder das Schauspiel herbei.