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Fed läutet Ende des Billiggeldes ein

Von WZ-Korrespondent John Dyer

Wirtschaft

"Taube" Yanet Yellen wird im Februar neue Chefin der Federal Reserve.


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Boston. Ben Bernanke hat in seiner Amtszeit als Chef der amerikanischen Notenbank seit 2006 vorzugsweise ohne Öffentlichkeit operiert. Was öffentlich wurde, waren die Auswirkungen der Beschlüsse des Offenmarktausschusses der Federal Reserve. Am Mittwoch leitete Bernanke diese Sitzung zum vorletzten Mal. Er nutzte die obligatorische Pressekonferenz danach, um sich öffentlich zu verabschieden. Der US-Senat wird seine bisherige Stellvertreterin Yanet Yellen noch vor Weihnachten bestätigen.

Yellen gilt an den Finanzmärkten eher als "Taube". Ob sie Bernankes oft recht aggressive Geldpolitik mit gewaltigen Aufkäufen von Wertpapieren, bekannt als "Quantitative Easing" (QE) abrupt stoppt oder langsam zurückfährt, ist die große Unbekannte.

Inspiriert von

Franklin Roosevelt

Bernankes Politik hat auch mit seiner wissenschaftlichen Spezialisierung zu tun. Er war in seiner Zeit als Princeton-Professor Fachmann für die Große Depression der 1930er Jahre gewesen. "Gestärkt durch dieses Wissen und zweifellos inspiriert von Franklin Roosevelts Beispiel, die Depression mit ‚gewagten Experimenten‘ zu bekämpfen, hat er eine aggressive und kreative Mischung an Zentralbank-Interventionen gewagt, um die Normalität an den Finanzmärkten wieder herzustellen", sagt der New Yorker Wirtschaftswissenschaftler Mark Gertler. Bernanke hat damit tatsächlich eine wichtigere Rolle in der amerikanischen Geschichte gespielt, als alle seine Vorgänger.

Der Drang zu Handeln führte Bernanke dazu, in der Finanzkrise ab 2008 eine Reihe von Notmaßnahmen anzuordnen, von der Absenkung der Zinsen auf nahezu null bis zu den bisher drei Runden von Wertpapierkäufen (QE). Jeden Monat wandte die Fed dafür 85 Milliarden Dollar auf. Derzeit läuft Serie QE 3.

Bernanke führte die USA

aus der Rezession

Bernankes Handeln half, die USA und das globale Finanzsystem aus der großen Rezession zu führen. Doch obwohl die Fed rund vier Billionen Dollar in die US-Wirtschaft gepumpt hat, ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) seit Mitte 2009 nur um gerade 2,3 Prozent gewachsen. Die Arbeitslosigkeit wurde zwar geringfügig gesenkt - sie fiel im November um 0,3 Prozentpunkte auf sieben Prozent, den niedrigsten Stand seit fünf Jahren - , doch liegt sie immer noch viel zu hoch für amerikanische Verhältnisse. Und auch das erwartete Inflationsziel wurde nicht erreicht. Mit QE 3 wollte man die Inflation leicht anschieben. Ein Vorgehen, das die Finanzbeobachter in zwei Lager spaltete. Kritiker glauben, die Geldschwemme führe zu Fehlentwicklungen. Bernankes Anhänger sagen, eine leicht anziehende Inflation würde die Wirtschaft etwas anheizen. Die Rechnung ging nicht auf. In den zwölf Monaten bis Ende Oktober verzeichnete die Fed nur eine Inflation in Höhe von 0,7 Prozent. "Wir haben keine vernünftige Erklärung dafür", gab James Bullard zu, Chef der Federal Reserve von St. Louis.

Bernanke hatte angekündigt, dass die Fed die Zinsen bis Ende 2015 nahe null halten wolle. Ein Zeichen, dass er für die unmittelbare Zukunft keine Inflationsgefahren sieht.

Budgetstreit verhinderte Anziehen der Bremse

In dieser Woche gab es an Wall Street also nur ein Thema: Wird das Quantitative Easing enden oder auslaufen? Im Laufe des Jahres hatte Bernanke den Gedanken geäußert, die Geldpolitik zurückzufahren und die Wertpapierkäufe im Laufe von 2014 ganz einzustellen.

Im September konnte die Fed QE nicht bremsen, weil die "Schließung" der Regierung wegen des Budgetstreits anstand. Jetzt wartet alles auf die ersten Maßnahmen der Bernanke-Nachfolgerin. Beide haben eng zusammengearbeitet, sie gilt aber als zurückhaltender als ihr Noch-Chef. "Die Leute sitzen auf dem Sprung", sagte Investmentstratege Sam Wardwell von Pioneer Investment über die Gefühlslage der Finanzhändler. "Der Markt ist einfach volatil."