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Feiern zum Thronjubiläum von ETA-Mord überschattet

Von Rainer Mayerhofer

Politik

Madrid/Barcelona - "Heute Morgen trägt Spanien neuerlich Trauer." Mit diesen bitteren Worten begann Spaniens König Juan Carlos Mittwoch jenen Tag, an dem eigentlich der 25. Jahrestag seiner Thronbesteigung am 22. November 1975 hätte gefeiert werden sollen. In der Nacht zuvor war in der Umgebung Barcelonas der ehemalige Gesundheitsminister Ernest Lluch von einem ETA-Kommando erschossen worden.


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Der 63-jährige Lluch ist heuer bereits das 21. Opfer des baskischen Terrors und nach dem Gemeinderat Jose Luis Riuz Casado, der am 21. September in einer katalanischen Provinzstadt ermordet wurde, das zweite Opfer in Katalonien, wo es zuvor sechs Jahre lang keine ETA-Anschläge gegeben hatte. Die katalonische Regionalregierung Generalitat hat nach dem Mord eine dreitägige Trauer ausgerufen.

Die Gemeindeverwaltungen in ganz Spanien riefen Mittwoch zu Schweigekundgebungen vor den Rathäusern auf. In Barcelona soll heute eine Großdemonstration gegen die ETA stattfinden. Der katalanische Regierungschef Jordi Pujol sagte, Lluch sei Opfer des baskischen Terrorismus geworden, weil er sich ganz entschieden gegen ihn gewandt habe. Es gelte nun, dem Terrorismus eine deutliche Absage zu erteilen. Der baskische Regierungschef Juan Jose Ibarretxe sagte seine Reise nach Madrid zu den Feierlichkeiten anlässlich des Thronjubiläums ab und warf der ETA vor, ihr einziges Ziel sei es, zu töten.

Dem Mord an Lluch, der in der unterirdischen Garage seines Hauses mit einem Schuss in den Hinterkopf getötet wurde, war bereits am Dienstagmorgen ein ETA-Anschlag in der nordspanischen Grenzstadt Irun vorausgegangen, wo Granaten auf eine Polizeikaserne abgefeuert worden waren. Eine der Granaten landete in einem nahegelegenen Schulhof, wo sich 30 Kinder aufhielten, explodierte zum Glück aber nicht. Wie schon eine Woche zuvor bei einem anderen Granatenanschlag in der baskischen Stadt Intxaurrondo, befand sich in dem Auto, aus dem die Granaten abgefeuert worden waren, eine Bombenfalle. In der Nacht zum Dienstag war in der Nähe des Hauses des katalanischen Chefs der Volkspartei, Alberto Fernandez Diaz, in der Nähe Barcelonas ein mit Sprengstoff präpariertes Auto entdeckt worden.

Ernest Lluch ist heuer bereits der dritte prominente SP-Politiker Spaniens, der dem baskischen Terror zum Opfer fiel. Am 22. Februar war in der baskischen Stadt Vitoria der Regionalpolitiker Fernando Buesa Blanco durch eine Autobombe ermordet und am 29. Juli in Tolosa der ehemalige Gouverneur der baskischen Provinz Giupuzcoa, Juan Mari Jauregui durch einen Kopfschuss getötet worden.

Bei dem bis jetzt blutigsten Anschlag des heurigen Jahres waren am 30. Oktober in Madrid vier Menschen, darunter der oberste Militärrichter Jose Francesco Querol getötet worden.