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Festgefahrene Strukturen

Von Elvira Fischer

Gastkommentare
Elvira Fischer ist zweifache österreichische Olympia-Teilnehmerin (1996, 2000) im Schwimmen. Sie arbeitet als Neurowissenschaftlerin am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik und am Zentrum für Integrative Neurowissenschaften in Tübingen.

Die Kritik von Dinko Jukic am Schwimmverband weckt Erinnerungen - die gleichen Probleme hat es schon vor 20 Jahren gegeben.


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Der Rundumschlag von Schwimmer Dinko Jukic nach seinem vierten Platz bei den Olympischen Spielen sowie seine Kritik am Österreichischen Schwimmverband (OSV) haben aufhorchen lassen. Sie machen eine Problematik öffentlich, mit der Athleten und Athletinnen schon vor 20 Jahren im österreichischen Schwimmsport zu kämpfen hatten. Abgesehen von seinen persönlichen Erfahrungen mit Funktionären des Schwimmverbands und dem "Skandal von Debrecen" hat er dabei im Wesentlichen die unzulängliche Zusammenarbeit zwischen Sportlern und Funktionären, die unzureichende Sportförderung in Österreich und das fehlende Know-how im Schwimmsport angesprochen.

Als ehemalige Schwimmerin komme ich nicht umhin zuzugeben, dass sich all diese Kritikpunkte sehr bekannt anhören. Woran liegt es, dass trotz beeindruckender Erfolge der vergangenen zehn Jahre der österreichische Schwimmsport in seinen Strukturen festgefahren scheint? Auch wenn dies mit Sicherheit eine vielschichtige Angelegenheit ist, scheint es doch auffällig, dass sich die heutigen Missstände kaum von denen unterscheiden, die wir zu meiner aktiven Zeit erleben mussten.

Sportler und Trainer fühlen sich häufig missverstanden, vermissen die adäquate Unterstützung durch den Verband und dessen Funktionären. Hier, wie in vielen anderen Sportarten, werden von den Athleten und Athletinnen höchste Professionalität und voller Einsatz erwartet, die offizielle Vertretung durch den jeweiligen Verband wird jedoch hauptsächlich von ehrenamtlichen Freiwilligen übernommen, die abseits ihres erlernten Berufes einer Funktionärstätigkeit nachgehen.

Anders als Dinko Jukic bezweifle ich allerdings, dass ehemalige Schwimmer notgedrungen die besseren Funktionäre wären. Vielmehr wäre zu überlegen, ob man nicht gut daran täte, etwas mehr unternehmerisches Denken in die österreichische Schwimmlandschaft einzuführen.

Einbindung von Sportlern

Bezogen auf das Funktionärswesen würde das bedeuten, in Mitarbeiter zu investieren, die ihrer Aufgabe - natürlich gegen angemessene Bezahlung- hauptberuflich nachgehen. Im Gegenzug wären entsprechende Kompetenzen sowie auch gewisse Führungsqualitäten ein ausschlaggebendes Kriterium für deren Selektion. Denn auch Athleten dürfen eine gewisse Leistung und Professionalität im Verbandsmanagement erwarten. Hier ehemalige Schwimmer und Trainer in einer beratenden Position einzubinden, ist ohne Zweifel essenziell.

Vielleicht würde dann auch wieder das nötige Know-how in den österreichischen Schwimmsport Einzug halten. Und man könnte anfangen, darüber nachzudenken, wie man den Schwimmsport fördert, indem man sich an den Bedürfnissen der Sportler orientiert - und nicht umgekehrt. Natürlich ist, wie üblich im österreichischen Sport, das Geld sehr knapp. Und der Drang, wirklich etwas verändern zu wollen, ist nicht gegeben. Österreich ist eben sehr gemütlich. Wer kann, flüchtet ins Ausland.