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Filmschau mit Überlebensfunktion

Von Matthias Greuling

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Die Viennale, die heute, Mittwoch, zu Ende geht, hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig sie für die Grundversorgung des Wiener Kulturlebens ist: Die meisten der Filme, die man hier zu sehen bekam, werden nämlich niemals einen regulären Kinostart erleben, manche sogar nicht einmal auf DVD oder bei Streaming-Diensten zu sehen sein. Hans Hurch, heuer in seinem 20.Jahr als Festivalchef, hat getan, was er immer tut: Er hat eine Spitze des Weltkinos präsentiert, einen kleinen Ausschnitt, der feine und vielleicht auch sperrige Filme bot, an denen man sich durchaus reiben konnte. Er ist, wie viele seiner ebenfalls langgedienten Kollegen, so etwas wie ein Wächter der Filmkunst, die zunehmend nur noch auf Filmfestivals ausgestellt werden kann.

Diese wichtige Überlebensfunktion bringt für die Festivals selbst aber auch Probleme mit sich: Es gibt immer mehr Filmfestivals, mit insgesamt immer weniger scharfen Profilen. Dass die Besucherzahlen seit Jahren stagnieren, liegt an der lokal beschränkten Strahlkraft solcher Festivals, das ist in vergleichbaren Städten wie Hamburg nicht anders. Die Stars sind Cannes, Venedig oder Berlin vorbehalten, da müssten Festivals wie die Viennale, die sozusagen im "Mittelbau" der Festivallandschaft verortet sind und nicht mit einer großen Stardichte aufwarten können, an ihrer Unverwechselbarkeit arbeiten. Die ist im Fall der Viennale ganz eindeutig ihr langgedienter künstlerischer Direktor, der ihr sein Gesicht gibt. Doch wenn Hurch in zwei Jahren abtritt, braucht es da vermutlich eine Neuausrichtung, vielleicht sogar eine radikale.