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Finanzbranche in Image-Nöten

Von Andrea Möchel

Wirtschaft
Junge Talente suchen hierzulande gerne Jobs in der Konsumgüterbranche. Banken sind weniger beliebt.
© Minerva Studio/Corbis

Österreichs Studierende sind an einer Karriere in der Banken- und Versicherungsbranche immer weniger interessiert.


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Wien. Ob Hypo-Alpe-Adria-Desaster oder Personalabbau bei der Bank Austria - die heimische Finanzbranche sorgt regelmäßig für Negativ-Schlagzeilen. Vor diesem Hintergrund verwundert das Ergebnis der Deloitte-Studie zur Attraktivität des österreichischen Finanzmarktes für angehende Akademiker wenig.

Das Beratungsunternehmen untersucht die Karriereabsichten von Studierenden bereits seit 1988. Für die aktuellen Studien "Talent in Banking" und "Talent in Insurance" wurden 211.000 Wirtschaftsstudenten aus 30 Ländern, darunter rund 3700 aus Österreich, nach ihrer Einschätzung von Banken und Versicherungen als potenzielle Arbeitgeber befragt. Das Fazit: Die Imagewerte der Banken und Versicherungen sind miserabel. Nur sechs Prozent der Studierenden halten Banken derzeit für eine attraktive Branche. "Wir beobachten bereits seit Jahren einen negativen Trend, der sich zunehmend verfestigt", sagt Gundi Wentner, Partnerin von Deloitte Österreich. "Bis heute wurden in diesem Bereich viel zu wenige Anreize für junge Talente geschaffen."

Zu den bevorzugten heimischen Arbeitgebern für versicherungsaffine Akademiker gehören laut Studie die Raiffeisen Bank International RBI (35,9 Prozent), die Erste Group Bank (32,8 Prozent), die Oesterreichische Nationalbank (25 Prozent) und auf Platz fünf ex aequo die Finanzmarktaufsicht (FMA) und die Uniqa-Versicherung (18,8 Prozent).

Das Ranking der populären Arbeitgeber für bankenaffine Studierende führt ebenfalls die RBI (76,3 Prozent) an, gefolgt von der UniCredit-Group (37,3 Prozent), der Erste Bank (22,9 Prozent) und der Nationalbank (22,7 Prozent).

"Der internationale Vergleich zeigt, dass die gesamte Finanzbranche gerade in Österreich ein Imageproblem unter den Wirtschaftsstudenten hat", meint Expertin Wentner. "Sieht man sich die Branchenpräferenzen an, wird die geringe Popularität besonders deutlich."

Wunsch-Arbeitgeber Red Bull, Google und BMW

Tatsächlich sind die populärsten Bereiche für Jungakademiker hierzulande die schnelldrehenden Konsumgüter-Branchen, auf Neudeutsch Fast-moving-consumer-goods (FMCG). Diese nehmen laut Deloitte-Studie mit rund 19 Prozent den ersten Platz im Branchenranking ein. Danach folgen die Automobilbranche mit fast 13 Prozent und die IT-Branche mit 9,3 Prozent.

Bevorzugte Arbeitgeber für angehende Akademiker sind demnach Red Bull (28,5 Prozent), Google (18,9 Prozent), die BMW Group (17 Prozent), Audi (14,5 Prozent) und Porsche (11,7 Prozent). "Seit dem Jahr 2008 ist die FMCG-Branche die beliebteste unter den heimischen Studenten. Ihr Anteil ist hierzulande höher als in den meisten anderen Ländern", konstatieren die Deloitte-Experten. "Das liegt vor allem an der dominanten Position von Red Bull, auch wenn heuer die Automobilindustrie zulegen konnte und ihren höchsten Wert seit Beginn unserer Untersuchungen erreicht hat."

Wenig anziehend ist die Finanzbranche übrigens für weibliche Studierende der Wirtschaftswissenschaften. Während 59 Prozent der befragten österreichischen Studenten weiblich sind, beträgt der Frauenanteil unter den bankaffinen Studenten bloß rund 54 Prozent und im Bereich Investment Banking sogar nur 24,4 Prozent. Unter den versicherungsaffinen Studenten finden sich ebenfalls lediglich 50 Prozent Frauen.

"In der männlich dominierten Finanzbranche existiert noch immer eine gläserne Decke. Weibliche Karrieren entwickeln sich dort einerseits sehr langsam, andererseits werden sie durchgängig in allen Karrierestufen schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen. Das schreckt viele weibliche Talente ab", ist Gundi Wentner überzeugt.

High Potentials wollen etwas geboten bekommen

Um den negativen Trend zu durchbrechen, sind sowohl Banken als auch Versicherungen gefordert, konkrete Maßnahmen zu setzen, um künftig erfolgreicher im Talente-Pool zu fischen und die gewonnenen High Potentials danach auch zu halten.

Besonders Versicherungen werden hinsichtlich Work-Life-Balance und Arbeitsplatzsicherheit von den Studierenden laut der aktuellen Studie positiv wahrgenommen. "Für die Generation der Millennials sind Qualitäten wie Work-Life-Balance sowie örtlich und zeitlich flexibles Arbeiten bei der Wahl des Arbeitgebers essentiell. Das muss im Employer-Branding noch viel stärker als bisher in den Fokus gerückt werden", so Gundi Wentner.

Gleichzeitig müssten aber auch die Wünsche der Studenten und Studentinnen ernst genommen werden. So erwarten sowohl bank- als auch versicherungsaffine Studierende von ihrem künftigen Arbeitgeber vor allem Anerkennung für ihre Leistungen, hohe Verdienstmöglichkeiten und Führungskräfte, die sie in ihrer Entwicklung fördern.