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Finstere Aussichten am Bergisel

Von Christian Mayr

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Beim Skisport handelt es sich um eine Freiluftveranstaltung - diese Binsenweisheit wurde dieser Tage wieder oft bemüht. Sowohl beim Herren-Slalom in Zagreb am Donnerstag als auch tags davor beim Springen auf dem Bergisel in Innsbruck hat das Sturmtief Axel die Ergebnislisten ordentlich durcheinandergewirbelt. Während Marcel Hirschers verpasster 100. Stockerlplatz nichts mit der widrigen Witterung zu tun hatte (sondern nur mit einer schlechten Fahrt), war die am Innsbrucker Schanzentisch praktisch verlorene Tournee-Chance von Stefan Kraft ganz sicher dem Windpech geschuldet. Da kann man halt nichts machen, so ist der Sport.

Wirklich? Denn wenn ausgerechnet auf der gemeinsam mit dem Osloer Holmenkollen wohl kultigsten Schanze der Welt von den jüngsten zehn Konkurrenzen der Vierschanzentournee gleich vier nicht wie geplant über die Bühne gehen konnten (eine Absage, drei Abbrüche), es dabei Zufallssieger hagelte (Anssi Koivuranta 2014, Richard Freitag 2015) und am Ende tausende frustrierte Fans übrig blieben, kann man nicht zur Tagesordnung übergehen. Zum einen sollten die Tournee-Planer endlich genug Zeitpuffer einführen, um notfalls einen Bewerb verschieben zu können - auf den nächsten Tag oder auch nur auf den Abend. Und da wären wir bei Punkt zwei: Blöderweise ginge Letzteres am Bergisel gar nicht, weil (noch immer) kein Flutlicht installiert ist. Da spießt es sich vor allem aus finanziellen Gründen, wie nun bekannt wurde. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: In
der reichsten Wintertourismus-Region Österreichs, wo jährlich zig-Millionen in die Ski-Infrastruktur gesteckt werden, fehlen ein paar 100.000 Euro für eine der prestigeträchtigsten Veranstaltungen. Weder angesichts der WM in Seefeld 2019 mit dem Großschanzenbewerb auf dem Bergisel noch durch die Olympia-Pläne der zweifachen Olympia-Stadt kommt Bewegung in die Sache. Finstere Aussichten.