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Flower-Power

Von Christina Mondolfo

Reflexionen

Sie erfreuen uns mit ihrem Anblick und Duft, Bienen, Schmetterlinge und Kolibris mit ihrem Nektar und sie sind immer ein passendes Geschenk: Blumen. Und wenn man den Forschern glauben darf, so gibt es rund 270.000 Arten davon.


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Älter als die Menschheit sind sie, zart und stark zugleich: Blumen, deren Aussehen von fantastisch bis unscheinbar reicht, wirken zerbrechlich, anfällig für Wind und Regen und sonstige Unwirtlichkeiten der Natur. Doch diese botanischen Wunderwerke haben schon vieles überlebt, darunter Eiszeiten oder die Dinosaurier.

Angeblich gibt es seit circa 146 Millionen Jahren Blumen auf der Erde, Botaniker haben jüngst Fossilien gefunden, die kleine, Kräutern ähnliche Blumen zeigen und die etwa 120 Millionen Jahre alt sind. Das erste Pflanzenfossil, das gefunden wurde, ist eine der heutigen Magnolie ähnliche Blume, deren Alter mit 93 Millionen Jahren datiert wurde. Dass Menschen schon früh Blumen eine besondere Bedeutung zuwiesen, belegte ein Anthropologe: 1960 legte der Amerikaner Ralph Solecki in einer Höhle im irakischen Shanidar das Skelett eines Neandertalers frei, das besondere Aufmerksamkeit erregte: Nicht nur, dass dieser Neandertaler vor etwa 50.000 bis 60.000 Jahren von seinen Angehörigen bestattet worden war - ihm waren auch Blumen ins Grab gelegt worden. Botanische Untersuchungen der erhaltenen Pflanzenreste zeigten, dass der Verstorbene auf hölzerne Zweige gebettet und mit den Blüten von neun zwischen Mai und Anfang Juli blühenden Kräutern geschmückt worden war (von denen sieben heute noch als heilkräftig bekannt sind). "Mit der Entdeckung von Blumen bei Neandertalern", schrieb Solecki später, "wird uns plötzlich zu Bewusstsein gebracht, dass die Vielseitigkeit der Menschheit und die Vorliebe für das Schöne über die Grenzen unserer eigenen Art hinausreichen."

Symbol und Schmuck. Von der Kultivierung von Blumen weiß man, dass die Chinesen bereits vor mehr als 2700 Jahren damit begannen. Neben den Persern galten die Römer als begeisterte Rosenzüchter, wie Plinius der Ältere, der im 1. Jahrhundert nach Christus lebte, in seinem naturwissenschaftlichen Werk "Naturalis historia" schrieb. Und als um 1600 Tulpenzwiebel aus dem Osmanischen Reich in Europa Einzug hielten, da brach eine regelrechte Hysterie um die bunten Frühjahrsblüher aus.

Kunst, Architektur und Religion bemächtigten sich der Blumen als Zierart oder Symbol: Auf dem altägyptischen Lotus (der übrigens zur Gattung der Seerosen gehört und nicht mit der botanischen Art Lotos verwandt ist) wurde der Sonnengott geboren, die Lotusblüte selbst war aus dem Urozean Nun hervorgegangen. Und auf vielen Säulen findet man die Lotusblüte als Verzierung. Vor allem die Griechen verwendeten Lotusblüten gerne in kunstvollen Friesbändern, Anthemion genannt, wo sie abwechselnd mit Palmetten verwendet werden.

Die rote und die weiße Rose mussten als Symbol sogar für einen blutigen Krieg herhalten, der im 15. Jahrhundert zwischen den englischen Adelshäusern von Lancaster und York um den Thron geführt wurde: Das Wappen der Familie Lancaster zierte eine rote, das der Yorks eine weiße Rose. Als die Kämpfe schließlich durch Heirat beendet wurden, verschmolzen beide Rosen zur Tudor-Rose.

Schon in der Antike galten Blumen als Symbole für Schönheit, Fruchtbarkeit und Lebenskraft, was lag also näher, Frauen durch ein Blumengeschenk entweder die Wertschätzung für diese Eigenschaften auszudrücken oder ihnen ein Kompliment zu machen. Blumenkränze trug man bei Hochzeiten oder Fruchtbarkeitsfesten, quasi als Schmuck und dezenter Hinweis auf persönliche Qualitäten zugleich.

Gibt es Kultblumen? Heutzutage wird schnell etwas zum Kult - vom Buch über den Film bis hin zu Personen oder Dingen wie dem iPhone etwa. Doch Blumen? Ja, es gibt auch Blumen, die einen Nimbus haben, die für etwas stehen und zum Markenzeichen einer Kultur wurden. Erinnern Sie sich zum Beispiel noch an die Pril-Blume? In den 1970er Jahren zierte diese - zugegebenermaßen sehr stilisierte - Blüte die Flasche des Geschirrspülmittels Pril. In fünf verschiedenen Farben gab es sie, zum Abziehen und anderswo wieder Aufkleben. Oder die Sonnenblume der Atomkraftgegner? Selbst die heute aus der Mode gekommene Nelke genießt zumindest in der politischen Landschaft weiterhin Kultstatus: Sie ist das Symbol sozialdemokratischer und sozialistischer Organisationen. Ursprünglich war die rote Rose die Blume der revolutionären Arbeiterbewegung, wurde aber auch aus Preisgründen durch die rote Nelke ersetzt. Dass diese um 1790 französische Royalisten als Zeichen ihrer anti-revolutionären Gesinnung trugen, störte offenbar niemanden . . . Heute ist die Nelke auch ein Symbol für die gewaltfreie Umgestaltung der Gesellschaft, ausgehend von der "Nelkenrevolution" 1974 in Portugal, als das faschistische Regime entmachtet wurde.

Wer im November in Großbritannien ist, sieht überall rote Papierblumen am Revers der Jacken, Mäntel, Blazer und Jacketts. Diese handgemachten, stilisierten Klatschmohnblüten erinnern an die Mohnblumen, die während des Ersten Weltkriegs in großen Mengen auf den Schlachtfeldern Flanderns blühten, auf denen Abertausende Soldaten den Tod fanden. Seit den 1920er Jahren werden die "Red Poppies" vom britischen Veteranenverband hergestellt und am Remembrance Day verkauft. Der Erlös kommt bedürftigen ehemaligen Soldaten und ihren Familien zugute.

Die Sprache der Blumen. "Sags mit Blumen" hat man nicht erst anlässlich des Valentinstages erfunden: Als ein Mittel der nonverbalen zwischenmenschlichen Kommunikation diente die Blumensprache hauptsächlich Liebenden dazu, mit Hilfe von Blumen oder Blumensträußen Gefühle, Wünsche, Bitten und Beschwerden ohne Worte symbolisch zum Ausdruck zu bringen. Schriftlich belegt ist die Sprache der Blumen erstmals 1716, als die englische Schriftstellerin Lady Mary Wortley Montagu aus Istanbul in ihren Briefen von der Kommunikation mit Blumen berichtete. Heute ist das Wissen um die Bedeutung jeder einzelnen Blume und Farbe, ihrer Zusammenstellung und der Art der Überreichung vielfach in Vergessenheit geraten. Was irgendwie schade ist?…

Die Sache mit dem Valentin. Der schöne Brauch des Blumenschenkens am 14. Februar, dem Valentinstag, hat eine schöne Geschichte mit einem unschönen Ausgang zum Hintergrund: So soll der Bischof Valentin von Terni im 3. Jahrhundert nach Christus heimlich Paare getraut und ihnen Blumen aus seinem Garten geschenkt haben. Allerdings wurde er eben am 14. Februar 269 wegen seines christlichen Glaubens enthauptet. Valentins Todestag fällt jedoch auch mit dem römischen Fest Lupercalia, dem Gedenktag der römischen Göttin Juno, zusammen, an dem junge Mädchen in den Tempel gingen und Blumenopfer brachten, um sich einen Rat für die richtige Partnerwahl zu holen. Der Klerus passte schließlich im Mittelalter die bestehenden Feste und Gebräuche an den christlichen Glauben an und so wird der 14. Februar heute als Valentinstag und "Tag der Blumen", aber auch der Geschenke im Allgemeinen gefeiert.

Nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz kam der Brauch, an diesem Tag Blumen zu schenken, Anfang der Fünfziger Jahre. Damals soll ein britischer Besatzungsoffizier, der in Österreich für seine Frau Blumen kaufen wollte, gebeten haben, den Blumenstrauß mit einem roten Herzen zu versehen. Da die Verkäuferin keines zur Verfügung hatte, malte sie mit ihrem Lippenstift ein Herz auf ein Stück Papier und schmückte damit den Blumenstrauß.

Auch wenn immer noch Floristen und Gärtner das größte Geschäft am 14. Februar machen, haben andere Zweige bereits aufgeschlossen: Schokolade, Pralinen, Parfüm, Schmuck oder auch Dessous werden ebenso gerne überreicht - und angenommen. Eine Kombination aus mehreren Elementen kommt aber bestimmt am besten an?…