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"Forschungsgelder auf dem Opfer-Altar der Krise"

Von Eva Stanzl

Wirtschaft

Stiglitz: Innovation, nicht Finanz als Wachstumstreiber. | Wien. Die Wirtschaftskrise ist noch lange nicht vorbei, Europa und die USA sollten daher über weitere Konjunkturprogramme nachdenken: Dieser Meinung ist der amerikanische Wirtschaftsprofessor und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz.


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Doch anstatt weiterhin auf systemerhaltende Maßnahmen zu setzen, wie Bankenpakete oder Straßenbau, sei verstärkt in Forschung und Technologieentwicklung zu investieren. "Der echte Wachstumstreiber ist Innovation, nicht das Finanzsystem", betonte Stiglitz bei einer Veranstaltung des Tech Gate Vienna. Im krisengeplagten Island etwa sei ein Innovationsschub und infolgedessen neues Wachstum zu erwarten, weil die Informationstechnologen nicht mehr in der Finanzwirtschaft arbeiten, sondern in vielen Branchen verteilt.

Stiglitz verwies insbesondere darauf, dass Privatunternehmen derzeit Forschungsprojekte kappen, weil ihnen das nötige Risikokapital fehlt. Doch die Diskussion über Anreize durch eine Erhöhung der steuerlichen Forschungsförderung gehe ins Leere: "Wie sollen Firmen von Steuervorteilen profitieren, wenn sie keine Profite haben zum Investieren?", so Stiglitz.

Der Staat müsse Investitionen mit langfristigen Zielen bei Bildung, Wissenschaft und Forschung setzen. "Hier zu sparen ist kurzsichtig, denn dann landen Forschungsgelder auf dem Opfer-Altar der Krise", so der Nobelpreisträger. Diesen staatlichen Ausgaben stünden geschaffene Werte gegenüber. 85 Prozent aller Anstiege der Pro-Kopf-Einkommen wurzeln in der wissenschaftlichen Forschung: "Echte Innovationen sind jene, die die Produktivität erhöhen", sagte Stiglitz in Abgrenzung zu simplen Produkt-Verbesserungen.

Wie "echte Innovation" aussehen könnten, wurde bei einem Symposion der bis Sonntag laufenden Vienna Design Week deutlich: "Firmen müssen ihre Art zu innovieren und ihre Produktvision laufend verändern", erklärte Roberto Varganti, Professor für Innovation am Politechnico Milano. Konkurrenz komme zunehmend aus unerwarteten Richtungen: So habe Computerhersteller Apple Produzenten von Stereoanlagen das Geschäft abgelaufen, weil er mit seinem tragbaren Musik-Gerät iPod das Hörverhalten an sich veränderte.