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Fracking statt Waschmaschinen

Von WZ-Korrespondent Ulrich Glauber

Wirtschaft

Siemens kauft den Öl- und Gastechnikspezialisten Dresser-Rand und wendet sich von Haushaltskunden ab.


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München. (ce) Siemens baut um. Die Umwälzung bei Europas größtem Industriekonzern unterstreicht nichts besser als der Abschied der Münchner von der gemeinsamen Haushaltsgerätefirma Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH (BSH) nach fast einem halben Jahrhundert der Zusammenarbeit mit dem Elektrokonzern Bosch. Mit dem Kauf von Dresser-Rand (DRC) für rund 5,8 Milliarden Euro gab Siemens am Montag bekannt, dass das vor 47 Jahren gegründete Joint Venture mit Bosch spätestens im kommenden Juni Geschichte sein wird.

Weltklasse-Anbieter entsteht

Drei Milliarden Euro überweisen die Stuttgarter, die den Markennamen Siemens bei den Haushaltsgeräten noch langfristig nutzen dürfen, für die Hälfte der BSH-Anteile nach München. Das Geld kann Siemens-Chef Joe Kaeser, der vor seinem Wechsel an die Vorstandsspitze bei Siemens für Finanzen zuständig war, gut gebrauchen. Für das "freundliche Übernahmeangebot" (Siemens-Mitteilung) des texanischen Öl- und Gastechnik-Spezialisten DRC wurde Barzahlung vereinbart.

Schon geraume Zeit galt DRC, das zuletzt einen Jahresumsatz von rund drei Milliarden Dollar (umgerechnet 2,3 Milliarden Euro) erzielte, als Kaesers Traumziel. "Als Premiummarke in den globalen Märkten für Energieinfrastruktur passt Dresser-Rand perfekt in das Siemens-Portfolio. Beide Geschäfte zusammen schaffen einen Weltklasse-Anbieter für die wachsenden Öl- und Gasmärkte", wird der Niederbayer in einer Medienmitteilung seines Konzerns zur Übernahme des US-Unternehmens zitiert, das Pumpen, Zentrifugen und andere Technik für den Einsatz auf Öl- und Gasfeldern herstellt. Der Abschluss ist so gut wie perfekt, denn der DRC-Verwaltungsrat hat den Aktionären einstimmig empfohlen, das Gebot anzunehmen.

Profitieren vom Fracking

Mit dem Kauf des US-Konzerns hat Kaeser einen entscheidenden Schritt zur Stärkung der Energietechnik getan, die er als wesentliche Wachstumssparte identifiziert hat. Dabei will Siemens über die künftige Tochter DRC zweifellos auch vom umstrittenen Fracking profitieren. Dabei werden Öl und Gas gewonnen, indem Risse im Gestein mittels chemisch angereichertem Wasser unter hohem Druck aufgebrochen werden. Sowohl für das Vordringen in rohstoffhaltige Schichten in großer Tiefe wie für die Förderung von freigesetztem Öl und Gas werden Industriepumpen und Zentrifugen gebraucht. Siemens stellt Gasturbinen und Ausrüstung für Gasförderer her, Dresser-Rand Pumpen, Zentrifugen, Kompressoren und Turbinen. Die Erweiterung der US-Präsenz hat Kaeser seit seiner Berufung an die Siemens-Spitze vor 14 Monaten konsequent vorbereitet. Im Mai machte der Siemens-Chef die Amerikanerin Lisa Davis zur Leiterin der Sparte Power. Seitdem wird dieser Bereich erstmals in der Geschichte des im deutschen Leitindex DAX gelisteten Unternehmens mit seinen 362.000 Beschäftigten direkt aus den USA gesteuert.

Sieg über Sulzer und Löscher

Der Zuschlag beim US-Schwergewicht der Energietechnik dürfte Kaeser nun hinuntergegangen sein wie Öl. Denn für Dresser-Rand hatte sich nicht nur der US-Rivale General Electric (GE) interessiert. Auch der Schweizer Konkurrent Sulzer hatte bestätigt, Gespräche mit den Texanern über eine mögliche Fusion zu führen. Verwaltungsratschef Peter Löscher dürfte dabei Regie für den russisch-schweizerischen Investor Viktor Wekselberg geführt haben, zu dessen Finanzimperium die Gruppe mit Sitz in Winterthur gehört. Doch am Wochenende war klar geworden, dass Löschers Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt sein würden. Sulzer habe die Gespräche mit Dresser-Rand beendet, bestätigte eine Sulzer-Sprecherin am Montag dann auch offiziell.