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Frankreichs Volkspartei aus der Taufe gehoben

Von Petra Klingbeil

Politik

Paris - Mit der offiziellen Gründung einer neuen | bürgerlichen Sammelpartei an diesem Sonntag hat der französische Staatspräsident Jacques Chirac eines der wichtigsten Ziele seiner politischen Karriere erreicht: Das Ende der Zersplitterung des bürgerlichen Lagers.


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Der erstmalige Zusammenschluss des zersplitterten rechten Lagers bei der Parlamentswahl im Juni zur UMP ("Union für die Mehrheit des Präsidenten") hat den Konservativen einen haushohen Sieg beschert - jetzt wird die große konservative Partei als Volkspartei nach dem Vorbild der deutschen CDU formell aus der Taufe gehoben.

Das Ereignis wird gebührend gefeiert: Mehr als 400 Gäste und Politiker aus dem Ausland sind zum Gründungskongress in Le Bourget bei Paris eingeladen, darunter der spanische Regierungschef José Maria Aznar und die deutsche CDU-Oppositionschefin Angela Merkel. Auch die Presse in Frankreich zeigt sich beeindruckt: "Eine neue Ära beginnt für die Bürgerlichen", titelte das Nachrichtenmagazin "L'Express". "Es gibt keinen historischen Präzedenzfall für eine derart übergreifende Struktur", urteilte der Historiker Jean-Francois Sirinelli über die neue Partei, die ihre erste Feuerprobe bei der Parlamentswahl bereits glänzend bestanden hat: UMP-Kandidaten haben die absolute Mehrheit in der Nationalversammlung.

Der frühere neogaullistische Premierminister Alain Juppe' gilt als haushoher Favorit für das Amt des Chefs der Partei, die "Union für eine Volksbewegung" oder "Volksunion" heißen soll.

Vorausgegangen ist im September die Auflösung der Chirac-Partei RPR. Die neue Partei ist ein Bündnis der 1976 gegründeten neogaullistischen RPR mit den Liberaldemokraten (DL) von Premierminister Jean-Pierre Raffarin und mit Teilen der Zentrumsunion UDF, die 1978 mit dem Ziel gegründet wurde, dem damaligen nicht-gaullistischen Staatspräsidenten Valery Giscard d`Estaing eine Hausmacht zu schaffen.