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Fritz lernt nur einen Gott kennen

Von Ina Weber

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Ina Weber.

Der katholische Unterricht dominiert an Wiens Schulen - dabei werden Katholiken laut aktueller Studie immer weniger.


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Fritz ist nun schulreif. Er kommt in die erste Klasse. Für seine Eltern ist das der erste Berührungspunkt mit einem Thema, von dem sie sich schon lange verabschiedet haben: Religion. Die Eltern sind im Laufe ihres Studiums aus der katholischen Kirche ausgetreten, und somit ist Fritz zeit seines kurzen Lebens o.B. - ohne Bekenntnis. "Katholisch oder evangelisch?", fragt die Lehrerin an einer öffentlichen Schule in Wien. Die Überlegung ist kurz, evangelisch klingt weniger streng. Doch Fritz findet die katholische Religionslehrerin netter, und so bekommt der kleine Mann für seine nächsten zwölf Jahre eben den Katholizismus gelehrt - ausschließlich.

Die Auswahl an Wiens Schulen, was den Religionsunterricht betrifft, ist begrenzt. Die Mehrheit der Kinder landet nach wie vor - ohne Überzeugung - im katholischen Unterricht. Und das, obwohl sich die Einstellung zur Religion und die Religionsvielfalt in Wien schon längst verändert haben. Religion ist wichtig. Auch der katholische Unterricht ist wichtig. Die Kirche spielt nach wie vor eine große Rolle im Leben vieler Menschen. Sie ist es auch, die sich am Ende des Lebens noch um ältere Menschen kümmert, ihnen Freizeitangebote bietet und einen Sinn und Beschäftigung gibt.

Doch wäre es längst sinnvoll, den Religionsunterricht an Wiens Schulen zu öffnen, den Kindern einen Einblick in alle Religionen zu gewähren. Das Fach Religion ist ein Bildungsthema, das schon längst zeitgemäß diskutiert gehört. Wenn man schon die Kinder in Religion bildet, ihnen den Zugang zu allen Glaubensbekenntnissen dieser Welt ermöglicht - vom Buddhismus über das Christentum bis zum Islam -, dann wüssten sie als Erwachsene sehr genau, woran sie glauben wollen, und hätten weniger Angst vor fremden Religionen, denn sie wüssten Bescheid. Sie würden ihren Nachbarn kennen, woran er glaubt, was er mag, was er weniger mag und wovor er sich fürchtet.