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Fünf gegen Carlo

Von Christian Mayr

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Um zu verstehen, warum die Bayern handelten, wie sie handelten, muss man in den Dezember 2015 zurückblicken. Damals wurde mit Carlo Ancelotti der absolute Wunschtrainer präsentiert, von dem sich der deutsche Rekordmeister nicht nur wieder den Champions-League-Titel erhoffte, sondern auch neue Impulse in der Ära nach Pep Guardiola. "Carlo kann mit Stars umgehen und lässt einen variantenreichen Fußball spielen", meinte etwa Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Nun wurde Ancelotti vorzeitig vor die Tür gesetzt, weil sich genau diese drei Vorzüge nicht einstellten: Nach dem Aus in der Vorsaison im Viertelfinale und dem 0:3 in Paris war die Champions-League-Bilanz für Bayern-Verhältnisse desaströs; der "variantenreiche Fußball" mag im Vorjahr noch halbwegs erkennbar gewesen sein, heuer agiert das Team völlig uninspiriert und ist leicht ausrechenbar. Und das hat auch damit zu tun, dass die Stars mit dem 58-jährigen Italiener so ihre Probleme hatten - von Thomas Müller über Franck Ribéry und Arjen Robben bis zu Mats Hummels. Die drei Letzteren fanden sich gegen PSG, wo man es dem Milliardärs-Klub eigentlich so richtig zeigen wollte, überraschenderweise nur auf der Bank. In bemerkenswerter Offenheit nannte Bayern-Boss Uli Hoeneß den Widerstand der Stars als Grund für die Trennung. "Carlo hat fünf Spieler gegen sich gehabt, das war nicht durchzuhalten. Du kannst als Trainer nicht deine prominentesten Spieler als Gegner haben. Ich habe in meinem Leben einen Spruch kennengelernt: Der Feind in deinem Bett ist der gefährlichste. Deswegen mussten wir handeln." Für jeden neuen Bayern-Coach - dieser soll Mitte Oktober feststehen - ist das natürlich eine ordentliche Hypothek. Nach dem Motto: Stell’ uns auf oder du fliegst auch!