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Funkstille

Von Teresa Reiter

Politik

Der pakistanische Botschafter in Indien soll sich mit Separatisten in Kaschmir getroffen haben. Indien sagte daraufhin Friedensgespräche ab. Damit liegt die Beziehung beider Länder wieder auf Eis.


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Neu-Delhi/Islamabad. Gerade als sich die beiden verfeindeten Nachbarstaaten Indien und Pakistan einander wieder angenähert hatten, fanden die Friedensverhandlungen über die umstrittene Provinz Kaschmir erneut ein jähes Ende. Ein Sprecher der indischen Regierung teilte am Montagabend mit, man werde die Gespräche mit Pakistan, die für 25. August geplant waren, sofort absagen. Grund dafür sei der Besuch des pakistanischen Botschafters Abdul Basit bei Separatistenführern. Dies habe Neu-Delhis Versuche untergraben, wieder in einen regelmäßigen Dialog mit Pakistan zu treten.

Symbolische Gesten

Noch im Mai hatten Medien weltweit von einer historischen Geste gesprochen, als der pakistanische Premier Nawaz Sharif seine Teilnahme an der Amtseinführung des neu gewählten indischen Regierungschefs Narendra Modi ankündigte. Eine Sprecherin Modis hatte damals gesagt, man begrüße diesen Schritt in Indien sehr: "Er möchte seinen guten Willen zeigen. Wir sind froh, dass der pakistanische Premierminister zugesagt hat. Er ist hier sehr willkommen." Auch über andere symbolische Versöhnungsgesten war damals diskutiert worden. So setzte etwa Pakistan vor dem Sommer 151 indische Fischer auf freien Fuß, die wegen Überschreitung der pakistanisch-indischen Seegrenze in Karachi und Hyderabad in Haft gesessen waren.

Eigentlich hätten all diese symbolischen Gesten eine fruchtbare Basis für Gespräche im seit 1947 andauernden Konflikt um die Himalaya-Region Kaschmir sein sollen. Dazu war der indische Außenminister Sujatha Singh Ende August in Islamabad erwartet worden, wo er mit seinem pakistanischen Amtskollegen Aizaz Chaudhry bilaterale Gespräche beginnen wollte. Dieses Treffen wird nun nicht stattfinden, denn die pakistanische Regierung soll sich im Vorfeld des diplomatischen Treffens mit Vertretern der separatistischen Gruppe Hurriyat verständigt haben.

Bruch mit Tradition

Deren populärer Führer Shabir Ahmad Shah hatte sich am Montag noch positiv über die Friedensbemühungen beider Länder geäußert, jedoch hatte er mit dem Verweis auf ähnliche Versuche in den vergangenen Jahren, die allesamt kläglich gescheitert waren, hinzugefügt, dass der Kaschmir-Konflikt "nicht durch bilaterale Gespräche gelöst werden könnte". Bisher hatte die indische Regierung über Pakistans Beziehungen zu den Separatisten hinweggesehen. Der neue Premier Narendra Modi scheint jedoch mit dieser Tradition brechen zu wollen.

Kritik an Modi

Indische Medien kritisierten, dass Modi sich damit selbst sabotiere und seine eigenen Bemühungen im Friedensprozess mit Islamabad torpediere. Die anstehenden Wahlen in dem Teil Kashmirs, der von Indien verwaltet wird, dürften ebenfalls von großer Relevanz sein. So mutmaßt die indische Tageszeitung "Times of India", dass Modi ein Signal an all jene senden wollte, die zu Gewalt anstiften, um den Wahlprozess zu stören.

Die Kaschmir-Problematik ist seit Gründung beider Staaten 1947 das größte Hindernis für eine friedliche Beziehung zwischen Indien und Pakistan. Dem Streit wurde zusätzlich Brisanz verliehen, seit beide Länder über Atomwaffen verfügen. Zusätzlich hatte das Terrornetzwerk Al-Kaida Indien wegen Kaschmir den Heiligen Krieg erklärt. Die Provinz, deretwegen es seit Jahrzehnten immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Erzfeinden kommt, gilt als einer der gefährlichsten Krisenherde der Welt.