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Fußball-Filialisten von Red Bull

Von Christian Mayr

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Zugegeben, es war ein bisschen viel, was bei Österreichs Fußball-Meister Salzburg innerhalb einer Woche passiert ist. Nach dem denkbar unglücklichsten Verpassen der Champions League und dem neuerlichen Verlust eines Spielers, der zum nunmehrigen Red-Bull-Mutterklub RB Leipzig verschoben wurde, kann selbst einem bisher vor allem durch seine Zurückhaltung aufgefallenen Trainer der Kragen platzen. Wobei die in noblen Englisch vorgetragene Kritik von Óscar García für das gemeine Fußballvolk sachlich war, dürfte sie in der Sport-Zentrale des Getränkemultis als Majestätsbeleidigung aufgefasst werden. Und das gar nicht einmal zu Unrecht. Denn dass der Spanier - seit Frühjahr Chefcoach in Salzburg - erst nun vom Klub erfahren haben will, dass man sich dem deutschen Bundesligisten Leipzig unterzuordnen habe ("Jetzt sind wir mehr ein Ausbildungs-Klub"), ist gelinde gesagt naiv. Jeder, der sich in Fußball-Österreich halbwegs auskennt, weiß von dieser Strategie seit Jahren -und nichts anderes signalisierten auch die jüngsten konzerninternen Transfers von Naby Keita, Benno Schmitz, Marcel Sabitzer, Stefan Ilsanker, Massimo Bruno und nun eben Bernardo, für den Óscar so plötzlich keinen Ersatz haben will. Dass er über die Klubphilosophie ätzt ("Jetzt haben wir vielleicht zwei Lieferings, Liefering A und Liefering B") und sogar seinen eben erst verlängerten Vertrag überdenken will, ist menschlich verständlich, sportlich aber nicht. Denn das Ziel Red Bulls lautet bekanntlich Champions League - und will man dort auch eine Rolle spielen, dann nur mit Leipzig (und nicht mit den neunfach gescheiterten Salzburgern). Das Fußball-Modell von Red Bull mag viele Kritiker haben, hält aber jedem moralischen Vergleich mit den vielen erdölgeschmierten Millionärsklubs, die sich mit islamistischen Potentaten gemein gemacht haben, locker stand.