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Fußball-Weltmeisterschaft mit Roboterschutz

Von Eckart Granitza

Wissen

Stadien werden mit modernster Technologie bewacht. | Berlin. Es ist Nacht im Berliner Olympiastadion. In den Katakomben unter den Tribünen herrscht gespenstische Stille. Am folgenden Abend steht wieder ein wichtiges Spiel der Fußball-WM bevor. Wie immer bei Großereignissen der letzten Jahre spielt bei den Verantwortlichen auch die Angst vor terroristischen Anschlägen eine Rolle.


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Deshalb wird das Olympiastadion während des Weltturniers rund um die Uhr bewacht. Doch es sind keine Wachmannschaften oder aufwendig installierte Kameras und Bewegungsmelder, die das riesige Gelände observieren, sondern autonome Roboter, die ihre Daten in die Sicherheitszentrale des Stadions, die so genannte Skybox schicken.

Zwanzig dieser "vollautomatischen Wächter" patrouillieren jede Nacht rund um das Stadion. Sie bekommen eine Karte des Geländes einprogrammiert und bewegen sich dann völlig selbstständig. Der Freilandroboter Ofro geht in den Außenbereichen und den Zaunanlagen auf Streife.

Sein Kollege, der Indoor-Roboter Mosro, wird für die Überwachung von Innenräumen, Tiefgaragen und Lagerbereichen eingesetzt. Mosro ist mit 1,18 Meter und 25 Kilogramm kleiner und leichter als der 1,40 Meter große und 40 Kilogramm schwere Ofro. Außerdem hat Mosro Räder während der Freilandroboter mit seinen Ketten an einen Miniaturpanzer erinnert. Beide Roboter sind mit Videokameras, Radarsensoren, Temperaturmeldern und Infrarotscannern ausgerüstet.

"Durch Radarsensoren können sie menschliche Körper sogar durch Mauern hindurch identifizieren", sagt der Roboterentwickler Jens Hanke von der Berliner Firma Robowatch. Doch die Roboter können noch mehr: Mit einem Geigerzähler kann Ofro Alpha-, Beta- und Gamma-Strahlungen detektieren, ein Biosensor kann biologische Giftstoffe erkennen und ein Multi Gas Scanner spürt über Ionenspektrographie chemische Kampfstoffe wie Nerven- oder Lungengase auf.

Schlechte Karten also für Einbrecher und Terroristen. Auch Brandanschläge oder zufällig entstehende Brände können entdeckt werden. Der Innenraumroboter Mosro inhaliert regelmäßig die Raumluft und kann mittels eines eingebautem Kohlenmonoxidsensors Brandgase sofort erkennen.

In der Skybox des Olympiastadions observieren die Sicherheitsleute eine Reihe von Monitoren. Mit einem speziell konzipierten Programm können sie sich durch die von den Robotern per UMTS in Echtzeit gelieferten Daten hindurchklicken. Sie haben die Möglichkeit nicht nur Bilder, sondern auch chemische und physikalische Werte abzufragen. Sollten die Roboter etwas besonders Auffälliges wie einen Eindringling oder eine gesundheitsbedrohende Gaskonzentration entdecken, schlagen sie von ganz alleine Alarm.

Dann kann der Einsatzleiter den sonst autonomen Roboter von der Leitzentrale aus selbst lenken und an die Problemstellen schicken. Dabei bringt es der Freilandroboter immerhin auf eine Höchstgeschwindigkeit von sieben Kilometer pro Stunde. "Die Steuerung der Roboter ist auf einem Linux-System mit übersichtlicher grafischer Benutzeroberfläche realisiert und schnell zu erlernen", meint Hanke.

Normalerweise müssten bei einem Großereignis wie der WM Dutzende von Kameras, Bewegungsmelder und andere Sensoren installiert und verlegt werden. "Das wäre wesentlich aufwendiger und teurer als mit den mobilen Robotern zu arbeiten", sagt der Unternehmenssprecher von Robowatch Benjamin Stengl. "Außerdem brauchen die Sicherheitsfirmen die Roboter nur für vier Wochen anzumieten, während die Kameras, Kabel und anderes Gerät neu eingekauft werden müssten."