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Ganz offen gesagt

Von Alexander Strecha

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Also sprachen sie am Sonntagabend in ORF 2 ganz offen miteinander, die Granden des Skirennsports, und fragten sich, ob dieser denn vor dem Ende stehe. Mitnichten, riefen sie. Es bedürfe allein einer verbesserten und moderneren Vermarktung, um das gute Produkt und die Leistungen der Athleten ins richtige Licht zu rücken. Die WM in St. Moritz sei die positive Ausnahme, der Alltag heiße Weltcup. Und hier kollidierten oftmals die Interessen des Veranstalters mit jenen der nationalen Verbände und der TV-Stationen. Der Markt ist ein freier, die Monopolstellung eines ORF wurde ausgeblendet.

Agenturen, die die Rechte gekauft haben, trachten nach Profit, ohne sich über den Sport Gedanken zu machen. Gleich, ob eine Nation erfolgreich ist oder nicht, sollte es gelingen, den Zuschauer vor dem Bildschirm zu bannen. Geschwindigkeitsmessungen oder eingeblendete Sprungweiten könnten die tollen Leistungen der Athleten besser verdeutlichen. Wenn das Produkt gut ist, folgen automatisch die nationalen wie internationalen Heroen. Mit diesen steht und fällt die Popularität einer Sportart. Denken wir an Tennis: In den starken Zeiten eines Thomas Muster wurde jedes Challenger-Turnier übertragen, heute blendet sich der ORF bei einem Daviscup-Duell gegen Norwegen aus. Übrigens: 5:0 haben "wir" gewonnen. Fußballübertragungen überleben, weil es sich weltweit um die Sportart Nr. 1 handelt. Im Vergleich zu den Leistungen heimischer Kicker mutet die Sendezeit überproportional hoch an. Gesendet wird freilich, wo der Erfolg daheim ist - beim Skifahren also. Damit sich das Interesse an den Brettl-Artisten nicht nur auf Österreich und die Schweiz beschränkt, müssen die Verantwortlichen einen Parallelschwung riskieren und Eigeninteressen in die zweite Reihe stellen. Ein Pool wäre eine Lösung. Mit dem Interesse wird der Profit automatisch größer.