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Garten in der Wand, Kraftwerk auf dem Dach

Von Florian Aigner

Wissen

Architektur der Zukunft an der TU Wien präsentiert. | Wien. Windkraftwerke in der Fassade, Solarzellen am Dach und ein integrierter Gemüsegarten - geht es nach dem prominenten amerikanischen Architekten Gregory Kiss, werden die Häuser der Zukunft ganz anders aussehen als die heutigen. Mit dem, was andere Architekten "umweltfreundliche Gebäude" nennen, will er sich nicht zufriedengeben, seine Pläne sind weitaus ambitionierter. Während seines Besuches an der Technischen Universität Wien präsentierte Kiss jüngst seine Zukunftsvisionen nun auch vor österreichischem Publikum.


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"Unter energieeffizienter Architektur versteht man oft einfach nur Gebäude mit guter Wärmeisolierung", beklagt Kiss. Dabei könnte man bereits heute Häuser bauen, die nicht nur wenig Energie verbrauchen, sondern die Umwelt überhaupt nicht belasten. Für Kiss und seine Kollegen vom New Yorker Architekturbüro Kiss+Cathcart bedeutet echte Nachhaltigkeit, dass ein Gebäude genauso viel Nutzen bringt wie es Ressourcen verbraucht.

Der gesamte Energiebedarf des Hauses sollte durch integrierte umweltfreundliche Mini-Kraftwerke gedeckt werden, es sollte außerdem ein eigenes Müll- und Wasseraufbereitungssystem haben. Ein echtes "grünes" Gebäude, so Kiss, kann über dieses Ziel sogar noch hinausgehen, etwa indem es mehr Energie produziert als es benötigt und auch die umstehenden Häuser versorgt.

Besonders wichtig ist Kiss, dass mit höherer ökologischer Qualität auch eine Steigerung der Wohnqualität einhergeht. "Auch der Mensch ist schließlich Teil der Umwelt", betont er. Seine Wohnräume sind hell und freundlich, zum Wohlfühlen gehört auch eine ansprechende ästhetische Gestaltung der Bauwerke. Architekturkunst und Technologie bilden für Kiss eine untrennbare Einheit.

Auch Pflanzen spielen in der Architektur der Zukunft eine wichtige Rolle: Ein grüner Blätterbewuchs vor der Glasfassade sorgt im Sommer für Schatten und spart damit Kosten für die Klimaanlage, im Winter verlieren die Pflanzen ihre Blätter und lassen die Lichtstrahlen durch.

Sogar die Nahrungsversorgung könnte in die Gebäude integriert werden: In den gläsernen Wänden großer Gebäude will Kiss Treibhäuser einbauen, sodass man den eigenen Salat für die Mittagspause direkt im Büro ernten kann - das spart Energie, Ressourcen und Transportwege. Vor allem in arabischen Ländern, wo Wasser kostbar und knapp ist, stößt Kiss mit solchen Plänen bereits auf großes Interesse.

Kiss hat seine Visionen schon auf vielfältige Weise verwirklicht - von der Öko-Reihenhausanlage bis zur solarzellenbedeckten Eisenbahnstation. Sein wohl bisher ambitioniertestes Projekt ist allerdings der "2020 Tower" - ein Wolkenkratzer, der sich selbst mit elektrischer Energie versorgt und durch ein eigenes Wasser- und Müllaufbereitungssystem von der umgebenden Infrastruktur beinahe unabhängig ist.

Ob so ein Öko-Turm tatsächlich eines Tages gebaut wird, ist unklar. Große Hoffnungen setzt Kiss jedenfalls in den politischen Wandel in den USA.