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Gastgeber von Welt gehen ins Restaurant

Von Eva Stanzl

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Im Sommer trafen sich Freunde zum Grillen. Aufgetischt wurden Hendl, Rind, Schwein, Weißbrot, Kartoffel und Eismarillenknödel zum Abschluss. Eine Gruppe von Allesfressern, könnte man meinen. Weit gefehlt. Diese Woche wieder bei Tisch vereint, fanden sich unter ihnen plötzlich zwei, die einen Bogen um Meeresfrüchte machen, sowie einer, dessen Kinesiologin gesagt hatte, er hätte eine Histamin-Allergie - kein Knoblauch, keine Tomaten. Obwohl die Gastgeberin zwei Sorten Pasta gekocht hatte, passte kein Gericht für alle Gäste. Wären auch noch Menschen dabei gewesen, die Lactose- und Mehl-Intoleranzen in sich entdeckt hätten, sowie ein Vegetarier, wäre sich wohl nur mehr ein veganes Gericht ohne Brot ausgegangen. Zwar wird ein solcher Gastgeber-Albtraum selten Realität. Dennoch wird Bewirtung zur Wissenschaft. Dem einen ist Weißwein zu sauer, des anderen Nase verstopft bei Rotwein. Hat man den falschen Kinder-Sirup daheim, erntet man einen vorwurfsvollen Blick von den Eltern: "Er verträgt keinen Himbeersaft." Kein Zweifel: Immer mehr Chemie landet in unseren Lebensmitteln, was viele Menschen absolut nicht vertragen. Doch steigt hier nicht auch die Hypochondrie und schwindet die psychische Resistenz? Immerhin kann mittlerweile fast jeder zumindest mit einer kleinen Unverträglichkeit aufwarten - und sei es nur gegen bestimmte Zahnpasta-Marken. Wer alles gerne isst und keine Natur-Produkte verwendet, ist undifferenziert. Was macht also die Gastgeberin von Welt? Sensiblerweise unterlässt sie es, sich über die Nahrungspläne ihrer Freunde zu informieren, und geht mit ihnen ins Restaurant.