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Gatterjagdverbot in Niederösterreich wackelt

Von Petra Tempfer

Politik

ÖVP zögert Beschluss hinaus, FPÖ ist gegen Gatterjagdverbot.


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St. Pölten. Es ist der größte Puzzlestein auf der Österreich-Karte zu den Gatterjagdverboten. Dass er jemals eingesetzt wird, wird nun immer unwahrscheinlicher - und das, obwohl noch im Sommer ein landesweites Gatterjagdverbot so gut wie fix schien. Es geht um Niederösterreich, das Bundesland mit den meisten Jagdgattern. Rund 70 der österreichweit 86 Gatter stehen hier. Das Wild wird gezüchtet, um darin von Gastjägern im Zuge von Veranstaltungen bejagt zu werden.

In Vorarlberg, Tirol, Kärnten, Oberösterreich und der Steiermark sind Gatterjagden bereits verboten. In Wien und dem Burgenland sind sie beschlossen, in Salzburg und Niederösterreich in Planung - so schien es jedenfalls bis Juli dieses Jahres. Damals wurde in Niederösterreich eine Gesetzesnovelle beim zuständigen Ausschuss eingebracht, laut der ab 2029 alle Gatter abgerissen sein sollen. Bis heute ist die Novelle jedoch nicht beschlossen. Passiert das auch bei der letzten Landtagssitzung vor der Landtagswahl nicht, könnte das Gatterjagdverbot Geschichte sein: Denn nach der Wahl sind alle nicht beschlossenen Anträge hinfällig.

Niederösterreich wählt am 28. Jänner einen neuen Landtag, die letzte Landtagssitzung davor ist am 14. Dezember. Auf die Frage, ob man die Novelle an diesem Termin beschließen wolle, gab es trotz mehrmaligen Nachfragens keine Antwort.

Kommt die Gesetzesnovelle vor der Landtagswahl nicht, fände das bei einer Partei jedenfalls mächtig Zuspruch: "Wir sind gegen diese Novelle", sagt Gottfried Waldhäusl, freiheitlicher Klubobmann im NÖ Landtag. "Wir stehen zu einer Gatterjagd, die im Sinne der Jagd geführt wird." 95 Prozent aller Gatterjagden würden vorbildlich bewirtschaftet, sagt Waldhäusl. Gegen "schwarze Schafe" wie etwa Promis, die regelrechte Massaker veranstalteten, seien freilich auch die Freiheitlichen. Um gegen diese vorzugehen, gebe es jedoch bereits Gesetze. "Die ÖVP ist nur zu feige, diese einzuhalten", sagt Waldhäusl.

Die SPÖ NÖ spricht sich indes klar gegen die Gatterjagd aus. "Wir werden noch vor dem Wahltermin eine parlamentarische Initiative zu diesem Thema starten, zumal seit Juli der von der ÖVP selbst eingebrachte Antrag betreffend Gatterjagdverbot im Ausschuss liegen gelassen wird", sagt Alfredo Rosenmaier, Klubobmann des NÖ Landtagsklubs der SPÖ.

"Interventionen von irgendjemandem"

Darüber, warum das Verbot "im Ausschuss liegen gelassen wird", hat der Obmann des Vereins gegen Tierfabriken, Martin Balluch, so seine Vermutungen. "Meinem Gefühl nach haben Interventionen von irgendjemandem dazu geführt", sagt er. Im Juli des Vorjahres wurde zum Beispiel die "Interessengruppe umfriedete Eigenjagden" in Niederösterreich gegründet: eine Vereinigung "engagierter Eigentümer und Bewirtschafter wildgerechter umfriedeter Eigenjagdgebiete", wie sie sich auf ihrer Homepage selbst bezeichnet. Wenn Pernkopf zum Gatterjagdverbot stünde, so Balluch weiter, dann hätte er es bereits umgesetzt - ist doch die ÖVP mit der absoluten Mehrheit im Ausschuss vertreten.

In Salzburg, wo ein Verbot ebenfalls erst in Planung ist, ist man noch nicht einmal so weit wie in Niederösterreich. Es gibt drei Gatter, eines davon betreibt der Unternehmer Maximilian Mayr-Melnhof. Der Gesetzestext zur Novelle werde erst vorbereitet, heißt es aus dem Büro von Landesrat Josef Schwaiger. Ziel sei zwar, die Novelle vor der Landtagswahl im April 2018 einzubringen - ob man es bis dahin schafft, sei jedoch ungewiss.