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Gaunerei im Stundentakt

Von Reinhold Aumaier

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Die Radiopolizei warnt: Ein neuer Typus von Gaunerei via Äther macht sich breit - die Zeitfälscherei. Seit einigen Wochen ist man am Werk, kennt keinen Genierer und vergreift sich tagtäglich am (fast) Allerheiligsten, was die Menschheit in kultivierter Form zusammenhält: die offizielle Zeitrechnung. Als Hauptquartier der Bande wurde das Funkhäuschen des Krone Hitradios ausgemacht. Von dort aus schlägt man zu jeder vollen Stunde frech und erbarmungslos zu. Vergleichende Sekundenforschung in den letzten Tagen hat u. a. folgende Fälschungsdelikte ergeben. Am Montag, dem 27. August, behauptete der Nachrichtensprecher, es sei 22 Uhr. In Wahrheit zeigte die zum Vergleich herangezogene ORF-Text-Uhr 22 Uhr und 36 Sekunden. Am 28. August verkündete man 64 Sekunden zu spät, es sei 10 Uhr. Um 17.01.27 Uhr wurde rotzfrech hinausposaunt, es sei "Punkt 5". Um 23 Uhr war man um 43 Sekunden zu früh dran . . . Es wird falsch informiert, dass sich die Ätherwellen krümmen. Absicht, Methode, Infamie? Oder einfach nur passend zum Wahrheitsgehalt der Aussage, die besten Songs aller Zeiten zu spielen. Da fehlen ein paark Sekunden oder gleich anderthalb Minuten, dort "nur" ein paar Lieder der Herren Schubert, Brahms, Wolf, Ellington, Arlen, Gershwin & Co.

Zum Leib- und Magenblatt jetzt also auch noch das gleichnamige Hitradio. Österreich hat den Doppeladler im Wappen, der nach der "Krone" gierende Österreicher den Doppelscherm auf. Der Radiodoktor empfiehlt: Österreich 1 hören kann ihre Zeitrechnung und musikalische Geschmacksrichtung wieder in Ordnung bringen - rund um die Uhr und "höchst an der Zeit" . . .