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Geben um zu nehmen: Korruption am Prüfstand

Von Claudia Peintner

Wirtschaft

Kommt Aktion scharf gegen korrupte Betriebe? | Wie Chefs auf der sicheren Seite sind, wenn plötzlich die Justiz anklopft. | Wien. Eine Bestechung ergibt die andere - eine Abhängigkeit, aus der man nur mehr schwer wieder herauskommt. So starten nicht selten kriminelle Machenschaften - von der Baubranche bis zum Pharmabereich, die am Schluss vor der Staatsantwaltschaft enden. Mögliche Anklagepunkte: Verbotene Marktabsprachen, Verstöße gegen kapitalmarktrechtliche Vorschriften, Korruption.


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Der Siemens-Skandal ist nur einer von mehreren Wirtschaftskrimis, die in jüngster Zeit ans Tageslicht kamen: 14.000 Beraterverträge hat die Wirtschaftskanzlei Baker & McKenzie im Nachhinein auf undurchsichtige Geschäfte überprüft, hunderte Siemens-Mitarbeiter wurden befragt: Wer hat was gewusst oder unterschrieben?

"Solche Ermittlungsverfahren belasten das Tagesgeschäft und kommen die Unternehmen teuer zu stehen", warnt der Rechtsanwalt Alexander Petsche von Baker & McKenzie.

Darüber hinaus bestehe ein zivilrechtliches Haftungsrisiko des Unternehmens gegenüber Anlegern und ein persönliches Haftungsrisiko des Geschäftsführers oder Vorstandes. Trotz dieser gravierenden Folgen ist die Dunkelziffer korrupter Praktiken hoch - auch in Österreich. Im Visier stehen vor allem jene Branchen, wo es um hohe Auftragsvolumina geht und die in Ländern wie Rumänien, Bulgarien oder Usbekistan operieren.

Verdächtig: Verträge ohne klare Leistungen

"Es fehlt das Unrechtsbewusstsein", sagt Petsche. Problematisch sei auch, dass Mitarbeiter oftmals gar nicht wissen, wann Bestechung vorliegt. Verdacht sollte etwa dann geschöpft werden, wenn in Beraterverträgen Honorare festgesetzt sind, ohne die Leistungen zu nennen.

Der Rechtsexperte appelliert an die Entscheidungsträger, raschest professionelle "Compliance Maßnahmen" durchzuführen. "Unternehmen sind verpflichtet eine Struktur einzurichten, die die Wahrscheinlichkeit eines Rechtsbruchs so gering wie möglich hält", erläutert Petsche.

Dabei reiche es nicht aus, hausinterne Regeln zu verabschieden. Vielmehr müsse jeder Betrieb prüfen, in welchen Geschäftsfeldern und Ländern Korruptionsgefahr bestehen könnte. Und die Mitarbeiter benötigten Schulungen, wie mit dem Thema umgegangen werden soll. Falls es dann eines Tages zu einer Überprüfung durch die Justiz komme, sei man gewappnet, so der Rechtsanwalt. Er ist überzeugt, dass künftig in der Privatwirtschaft Korruptionsfällen verstärkt nachgegangen werden wird: "Die Bombe könnte bald platzen", so Petsche. Innerhalb der EU gebe es mittlerweile schärfere Gesetze und grenzüberschreitende Kooperation der Behörden bei der Verfolgung. In Österreich beschäftigt sich etwa ab 2009 eine neue Korruptionsstaatsanwaltschaft mit solchen Delikten.

Weiters könnte die schlechte Wirtschaftslage dazu führen, dass Unternehmen das Marktverhalten ihrer Mitbewerber genauer unter die Lupe nehmen und die anderen - wenn notwendig - auch verpfeifen.