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Gedenkjahr 38 - Gedenken an alle?

Von Michael Schödl

Analysen
Der Autor arbeitet als Marketing- und Werbeberater in Wien.

Es sieht so aus, als habe das heurige Gedenkjahr - vor allem im öffentlich-rechtlichen Rundfunk - Schlagseite. Denn die ersten politischen Opfer der Nazis werden ausgeklammert. | Hurtig schreitet das Gedenkjahr voran. Vieles wurde schon berichtet, in einigen Medien mehr, in anderen weniger, und die größte Medienorgel des Landes (Copyright Gerd Bacher) gestaltete eine Sendereihe und mehrere Diskussionsplattformen dazu.


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Als zeitgeschichtlich Interessierter hat man aber den Eindruck, das Gedenkjahr hat Schlagseite, denn die ersten politischen Opfer des Nationalsozialismus nach dem 12. März werden medial weitgehend ausgeklammert. Vor allem in der staatlichen Rundfunk- und Fernsehanstalt - worüber dort berichtet wird, hat für viele Österreicher einen Wahrheits-/Berühmtheitsbeweis - werden einige dieser verfolgten Bevölkerungsgruppen (Christlichsoziale, Katholiken, Monarchisten), wenn überhaupt, nur in einem Nebensatz erwähnt.

Und das kann nicht Sinn eines Gedenkjahres sein. Aller, egal ihrer Herkunft, oder ideologischen Gesinnung, ist zu gedenken. Wo sind die Berichte über die politisch, religiös, kulturell, kritisch denkenden und zivilcouragierten Verfolgten?

Es gab eine Reihe von Personen deren Problem nur(!) einer der genannten Punkte war. Ein couragiertes Wort oder eine Handlung zu viel, die den neuen Machthabern nicht gepasst haben, und schon war man im Visier. Geschweige über den berühmten Nachbarn, der schon immer auf Wohnung oder Geschäft gespitzt hat. Das Denunziantentum erlebte eine Hochblüte.

Einseitige Sicht

Es war eine Zeit, in der eine andere politische Einstellung oder Solidarität mit Verfolgten nicht nur mit Verlust des Arbeitsplatzes, sondern mit Verschleppung und oft mit Tod verbunden war. Wie mussten sich diese Zeitzeugen fühlen, wenn sie heutige Donnerstagsdemonstranten oder TV-Stars als Redner bei Großdemos gegen die Schwarz/Blaue Regierung vor ein paar Jahren via Medien gesehen haben? Zivilcourage einst und jetzt - mehr ist dazu nicht zu sagen.

Warum mich das Thema der ersten Verfolgten so beschäftigt?

Der Bruder meines Großvaters, Alois Küblböck, ein christlich-sozialer Gewerkschafter - nach ihm ist übrigens ein Gemeindebau im 15. Bezirk benannt -, kam mit einem der ersten Transporte im Frühjahr 38 ins KZ Dachau. Dort traf er auf Leopold Figl, Alfred Maleta, Franz Olah und einige andere. Sein Freund Lois Weinberger, der spätere Mitbegründer der ÖVP und Gründer des ÖAAB, kam ins KZ Mauthausen. Mit viel Glück und Zufall überlebten diese Männer, die das Fundament für die Zweite Republik nach 1945 legten, diese Zeit.

Chronologisch hat das Gedenkjahr 1918/38/68 mit 1938 begonnen. Hoffen wir, dass die beiden anderen Jahre ausgewogener behandelt werden.

Uns Werbeleuten wird ja oft nachgesagt, kommunikativ zu tricksen und nur das zu sagen, was für das Produkt gut ist. Aber da ist mir für die Zukunft des Landes eine einseitige Werbekampagne noch immer lieber als eine den nachfolgenden Generationen einseitig vermittelte Geschichtsdarstellung.