Zum Hauptinhalt springen

Gefährliches Spiel mit der Handschelle

Von Christina Böck

Kommentare

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 10 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Es war eine der drängenden Fragen dieser Woche: Wer hat jetzt den Längeren? Konkret stellten sich diesem beliebten Match diesmal Weißrusslands Präsident Lukaschenko und Russlands Präsident Putin. Tatsächlich dürfte Lukaschenko den längeren Wels geangelt haben.

Gut, das war jetzt zugegeben ein sehr billiger Schmäh. Aber was tut man nicht alles für die Leserquote. Genau das hat der deutsche Dramatiker Botho Strauß diese Woche in einem aufsehenerregenden Essay beklagt: "Kaum einer, der die Verbreitung nicht für Erhöhung hielte", schrieb er angewidert und geißelte die Kunst, die "liebedienerisch" mit der Quote paktiere. Die Literatur hält er für einen "Markt des breitgetretenen Quarks, dessen Autoren in digitalen Massen sich vordrängen."

So ein Topfen, mag sich vielleicht E.L. James denken, Hauptsache, die Kohle stimmt. Und das tut sie sicher nach wie vor für die Autorin der Softporno-Schmonzette "Shades of Grey". Also, solange die Entschädigungsforderungen nicht eintreffen. Denn wie sich nun herausstellt, hat die Romanreihe ungeahnte Folgen gezeitigt. Die britische Feuerwehr hat diese Woche bekannt gegeben, dass sie seit Erscheinen der Sadomaso-Trilogie vermehrt mit, nun ja, einschlägigen Unfällen konfrontiert ist. Der fachgerechte Umgang mit Handschellen bedarf offenbar noch der Übung. Was für ein Buch freilich jener Mann gelesen hat, dessen bemitleidenswertes Geschlechtsteil aus einem Toaster geborgen werden musste, wäre schon auch noch interessant gewesen. Womöglich gefiele das dann sogar Botho Strauß.