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Gegen Mitternacht wirds besser

Von Peter Bochskanl

Kommentare

Nach zwei Stunden life vom Life-Ball am Samstag in ORF1 - mit wohl wegen der Ernsthaftigkeit der nachfolgenden Aids-Konferenz weniger freizügigen Oufits als sonst - wirkte der "Blickfang Po" spätabends am Sonntag, in ORF2 nur auf den ersten Blick als Wiedergutmachungsversuch an eventuell Enttäuschten.


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Die französische Dokumentation aus dem Vorjahr bot zwar jede Menge reizvoller weiblicher Rückansichten, doch kamen auch reichlich Kunstgeschichtler, Psychologen und sonstige Experten zu Wort, um vor dem Stakkato meist schöner nackter Rundungen einen intellektuellen Paravent aufzustellen. Der blieb natürlich durchsichtig, wie viele der Kommentare - den allerwertesten Durchblick zu verstellen, war ja auch nicht die Absicht der Produzenten. Aber immerhin waren die meisten der 187.000 Zuseher nicht von neuen Erkenntnissen geplagt, aber vielleicht ein wenig amüsiert.

Gleich drauf gings erotisch weiter, allerdings weniger seicht, sondern um etliche Etagen höher: Bertrand Bliers verwirrende wie verstörende Komödie "Wie sehr liebst Du mich?" fasziniert nicht nur mit prominenter Besetzung (Monica Bellucci, Bernard Campan , Gérard Depardieu), sondern auch durch Buch, Kamera und Regie: Die Angst vor einem Leben ohne Liebe und die hintergründige Tristesse der Akteure wird eindrucksvoll vermittelt. Der herzkranke Lottogewinner, der sich in eine Prostituierte verliebt und sich diese für ein Zusammenleben kauft, und der folgende bizarre und absurde Konflikt-Reigen waren es immerhin 57.000 wert, erst nach ein Uhr am Montag ins Bett zu kommen.