Gegen Russen heißt für Putin

Von Edwin Baumgartner

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"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.

Szene eins: Im Hamburger Thalia Theater bringt der russische Regisseur Kirill Serebrennikov sein Stück "Der Wij" zur Aufführung, eine Zusammenarbeit mit dem ukrainischen Autor Bohdan Pankrukhin. Das Stück verurteilt den Krieg gegen die Ukraine. Serebrennikov ist ein Gegner Wladimir Putins und stand in Russland unter Hausarrest. Dennoch protestiert die ukrainische Community: Ein Russe soll sich nicht zum Krieg äußern dürfen, egal, wie er zu Putin steht. Es genügt seine Herkunft.

Szene zwei: Die norwegische Queen Sonja Singing Competition schließt Sängerinnen und Sänger mit russischer und weißrussischer Nationalität aus. Wie diese Künstlerinnen und Künstler zu Putin stehen, spielt keine Rolle. Ausschlussgrund ist ihre Nationalität.

Alles, was Putin und seine Einflüsterer trifft, ist berechtigt und soll unternommen werden. Ob freilich der Boykott russischer und weißrussischer Künstler Putin trifft, ist die große Frage. Er könnte sich kontraproduktiv auswirken.

Nach Anschlägen von Islamisten hat man klugerweise stets davor gewarnt, alle Muslime mit gleichem Maß zu messen. Ein Ausschluss aus der westlichen Gesellschaft könnte ihr Verhalten bis zur Radikalisierung verändern.

Mit leichter Variation auf russische Künstler angewendet: Wenn man sie aus dem westlichen Kulturbetrieb ausschließt, treibt man sie zwangsläufig zurück in Putins Arme. Putin jedoch ist der Letzte, dem das schadet. Im Gegenteil: Es unterstützt seinen Wahn von der geeinten Nation aller Russen unter seiner Führung.