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Geheim-Gespräche zur Zypern-Frage

Von Martyna Czarnowska

Europaarchiv

Plan zum teilweisen Abzug türkischer Truppen. | Nikosia/Wien. Varosha ist eine Geisterstadt. Der einst moderne Stadtteil von Famagusta im Norden Zyperns verfällt seit 30 Jahren. Von den fünfzehnstöckigen Hotels am Meeresstrand bröckelt der Putz, die Fensterscheiben sind zerbrochen. Die Villen verwandeln sich in Ruinen. Denn seit 1974 - seit dem Einmarsch türkischer Truppen, der die Teilung der Insel besiegelte - ist Varosha militärisches Sperrgebiet. Nur Soldaten betreten den mit Stacheldraht abgezäunten Stadtteil, den sich die Natur zurückerobert. Mittlerweile ist das Gebiet zu einem Brutort für Meeresschildkröten geworden.


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Vier Milliarden Euro würde es kosten, Varosha wieder bewohnbar zu machen. Wer das zahlen soll, ist offen. "Das ist viel Geld für uns", erklärte der zypriotische Außenminister Yiorgos Lillikas bei einem Besuch in Wien. Einen Teil davon würde Zypern übernehmen, einen anderen vielleicht die Vereinten Nationen. Klar ist für die Regierung in Nikosia allerdings, dass die ehemaligen griechisch zypriotischen Bewohner Varoshas in die Stadt zurückkehren sollten. Das hat Zypern auch in den Vorschlag hineinreklamiert, mit dem Finnland, derzeit EU-Vorsitzland, die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei retten will.

Der Plan sieht vor, dass die türkischen Truppen aus Famagusta abziehen, die Stadt für zwei Jahre unter Obhut der Vereinten Nationen gestellt und dort der Handel mit dem bisher international isolierten Norden abgewickelt wird. Im Gegenzug würde die Türkei einige Häfen und Flughäfen für zypriotische Schiffe sowie Flugzeuge öffnen.

Mehr Details will keine der Verhandlungsseiten bekannt geben. Der zypriotische Präsident Tassos Papadopoulos bestätigte lediglich intensive Gespräche mit Finnland. Sollte Ankara nicht einlenken, kann Nikosia die Beitrittsverhandlungen blockieren. Wenn die Türkei nicht die Bedingungen der EU erfülle, werde Zypern der Eröffnung oder dem Abschluss einzelner Verhandlungskapitel nicht zustimmen, sagte Lillikas.

Mit dieser Haltung isoliere sich Zypern aber immer mehr in der EU, heißt es aus Brüsseler Diplomatenkreisen. Nikosia benutze die Beitrittsverhandlungen mit Ankara, um die eigenen Probleme mit der Türkei zu thematisieren.